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Omni Trio


Robert Haigh aka Omni Trio is back. Mit seinem mittlerweile fünften Album, „Even angels cast shadows“ (Moving Shadow) versucht der Londoner, an alte Erfolge nicht nur anzuknüpfen, sondern die Messlatte für „mellow DrumnBass“, den er bereits seit 1994 produziert, noch ein wenig höher zu hängen. Zwar dürfte Robert Haighs Popularität innerhalb der aktuellen Clublandschaft zwischen allen Bad Companys und Total Sciences dieser Welt eher mäßigen Status genießen, dennoch gehört er mit Klassikern wie „Renegade Snares oder „Trippin on broken beats“ quasi zum nötigen Grundwissen der großen Breakbeatschule. Breakbeat belästigte den guten Mann mit einigen Fragen zu den Themen Krautrock, Hedonismus und, ach ja, Drum'n'Bass natürlich.

Wie siehst Du die aktuelle Entwicklung von Drum'n'Bass, was denkst Du, wohin es sich entwickeln wird?

Nach zehn Jahren DrumnBass denke ich nicht, dass es sich in eine bestimmte Richtung entwickeln sollte. Ich würde eher sagen, dass sich DrumnBass weiter öffnen und andere Stile vereinnahmen sollte, um zu überleben. Im Zukunft wird es wohl mehr und mehr Vocaltracks und technischere Stücke geben. Nicht immer nur geraden, harten Tech-Step.

In wie weit beeinflussen Dich aktuelle Strömungen?

Sie beeinflussen mich auf einem subtilen und minimalen Level. Auf dieser Ebene (zehn Jahre lang Breakbeats produziert zu haben), bin ich so weit, mein eigenes Ding zu machen und nicht zu schauen, ob es irgendwie in die restliche Szene passt. Aber ich bekomme schon mit, was andere Produzenten so treiben.

Welche andere Musik beeinflusst Dich, was hörst Du außer elektronischer Musik?

Ich höre seit über 20 Jahren Musik und habe jede Menge Einflüsse. Ich mag Musik, bei der man fühlt, dass sie etwas neues zu erforschen versucht. Die Jazz-Fusion Sachen von Bitches Brew Miles Davis zum Beispiel. King Tubbys Dub Experimente oder Keith Jarretts Pianoimprovisationen. Technoide Sachen wie Plaid, Aphex Twin, Jeff Mills und die hypnotischen Texturen des Minimalisten Steve Reich. Aktuelle Produzenten die ich mag sind zum Beispiel die Deep House Produzenten Circualtion oder Leute wie Wookie, Photek etc.

Gehst Du selbst zu DrumnBass Partys um Reaktionen auf Deine eigenen Stücke einzufangen?

Unglücklicher Weise hat der Sound, der zur Zeit in Londons Clubs gespielt wird, einige Kriterien und Einschränkungen zu erfüllen, die es vor fünf Jahren noch nicht gab. Würde ich Musik produzieren, die diesen Kriterien entspricht, wäre das nicht die Musik von Omni Trio. Ich denke, die ganze Szene wäre um einiges gesünder, würden mehr Produzenten die Musik machen, die sie wollen, anstatt zu versuchen, bestimmten Erwartungen zu entsprechen. Ich mache das, was ich will. Manchmal wird es dann gespielt, manchmal nicht.

Wer hat Dein neues Material vor der Veröffentlichung "getestet"? Gab es konstruktive Reaktionen?

Ich bin der erste, der feststellt, dass bestimmte Teile meiner Musik nicht gerade Dancefloor orientiert sind. Manche funktionieren einfach besser, wenn man mit dem Wagen bei hoher Geschwindigkeit die Autobahn entlang fährt. Das ist tatsächlich eine Art, wie ich mein neues Material teste. Einige meiner Sachen kann man wohl als "Homelistening" bezeichnen, bei denen Beat und Rythmus eine repetive Basis für Melodien oder Sphären bilden. Die Tanzflächenfreundlicheren Stücke wurden unter anderem von Fabio, Bukem und Blame gespielt.

Steht ein bestimmtes Konzept hinter "Even angels cast shadows"?

Der Gedanke, der hinter dem Titel steht, kam mir etwa vor einem Jahr. ich produzierte ein stück mit weichen, harmonischen Pads über einer groben Rhythmus-Sektion. Ich merkte, dass die beste Dynamik durch die Vermischung von Kontrasten zu Stande kommt. Schnelle Breaks vs. fließende Pads, tiefe Bässe vs. Melodische Riffs, Atmosphäre vs. Struktur, hart vs. weich etc.

Der Titel ist zudem eine Art Kommentar dazu, wohin ich denke, dass der wachsende Hedonismus führt. Ich meine damit, der Irrglaube, den wir die letzten 14, 15 Jahre verbreitet haben, das Leben sei eine einzige große Party. Tut mir leid, die Stimmung zu kippen, aber alles was nach oben geht, kommt auch wieder runter. Take controle of your life!

Wo liegen die Unterschiede zwischen „Byte Size Life“ und „Even angels...“?

Ich denke, ich habe einige neue Elemente, die ich bereits bei „Byte Size Life“ verwendet habe weiter ausgedehnt. Es steckt mehr Wärme darin und die musikalische Palette ist weiter gefächert.

Was bedeutet eigentlich der Name Omni Trio? Du bist schließlich nur eine Person!

In den frühen Neunzigern haben ein paar Freunde und ich Whitelabels unter verschiedenen Namen herausgebracht. Omni Trio war einer davon. Das Wort Omni kommt in jeder Gebrauchsanweisung für Synthesizer vor. Das Wort Trio war letztlich nur ein Mittel für mich, um ein paar Leute auf die falsche Fährte zu locken.

Wie sieht die Zukunft aus? Omni Trio Live?

Im Moment bin ich ziemlich beschäftigt im Studio mit Deep Blue. Ich bin ziemlich zufrieden mit dem, was wir bislang produziert haben. Solltet Ihr Euch demnächst anhören!

Das mit dem Liveact ist so eine Sache. Solange die Musik nicht in erster Linie live eingespielt wurde, bin ich zufrieden, wenn sie auf dem elektronischen Sektor beruht. Live herübergebracht werden kann sie ja dann ganz einfach per 12“ und ein paar 1210ern.


Welche Produzenten hältst Du im Moment für am wichtigsten und am progressivsten?

Da möchte ich eigentlich keine Namen nennen. Ich respektiere Produzenten, die aus der richtigen Motivation an ihre Sache herangehen und nicht aus finanziellen Gründen.

Kennst du Deutsche Produzenten?

Ich kenne keine aktuellen deutschen Produzenten, aber ich habe großen Respekt vor dem deutschen Einfluss auf eine bestimmte Zeit. Ich habe in Interviews oft gesagt, dass ich mit deutschen Bands wie Can, Neu, Faust oder Kraftwerk aufgewachsen bin. Deutsche Musik scheint große „Forscherische Qualitäten“ zu haben, was ich persönlich sehr mag. Diese deutschen Bands haben sich nicht nach abgedroschenen Rockformaten gerichtet, wie das in vielen anderen westlichen Ländern der Fall war. Ich kann mir gut vorstellen, dass Deutscher DrumnBass ähnlich verfährt.

Interview: Feindsoul (drumandbass.de) (Juli 2001)
Das Interview erschien im Juli 2001 im Breakbeat Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.


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