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Fauna Flash


Fauna Flash melden sich drei Jahre nach verstreichen ihres letzten, hochgelobten Albums "Aquarius" mit einer neuen Compilation zurück. Die zwei Münchner Produzenten Christian Prommer und Roland Appel waren während dieses Zeitraums jedoch keineswegs untätig: Gemeinsam mit Rainer Trüby gründeten sie das Trüby Trio, außerdem arbeiteten sie unter anderem mit Peter Kruder an zwei Singelauskoppelungen, die unter dem Namen Voom:Voom erschienen. Neben zahlreichen Remix-Anträgen tourten sie auch als Live-Act durch die Weltgeschichte. England, USA, Kanada, Italien waren nur einige wenige Fixpunkte darunter.
Kein Wunder also, dass drei Jahre vergangen sind, bis sie uns ihr neues Werk "Fusion" präsentieren.

"Fusion" hat es dafür jetzt in sich: Fauna Flash bemühen sich bei ihrem neuen Werk um eine Weiterführung ihrer Auffassung von Drum'n'Bass, die meiner Meinung nach äußerst gelungen ist. Wie der Name schon andeutet, handelt es sich hierbei keineswegs um ein reines Drum'n'Bass-Album, sondern es verschmelzen die verschiedensten Elemente zu einer dichten, griffigen neuen Einheit. Von House bis Dub, Jazz, Hip Hop und Soul ist auf "Fusion" alles vertreten. Zusammengearbeitet wurde für diese Compilation mit den Aphrodelics, dem Wiener Szene-MC Sugar B. und der amerikanischen House-Sängerin Deidry Jones. Aber jetzt erzählt Christian Prommer von Fauna Flash am besten selbst, wie er es rund um Fauna Flash aussieht.


Es macht den Anschein, als hättet ihr viele verschiedene musikalische Einflüsse. Wie seid ihr eigentlich zu Drum'n'Bass gekommen?

Wir haben uns immer vom rhythmischen Element der Musik angezogen gefühlt. Daher war es nur logisch, dass diese sehr Rhythmus-betonte Musik wie Drum'n‘Bass uns anspricht. Außerdem war es uns bei Drum'n'Bass möglich, all die vielen Richtungen die wir mögen und vertreten mit einfliessen zu lassen. Leider ist dies zur Zeit generell nicht mehr all zu oft der Fall.

Von wo kommt eigentlich die Inspiration für eure eigenen Sounds?

Von überall her. Von diversen Platten gleichfalls wie von Alltagerfahrungen. Es ist aber so, dass unsere meisten Sounds durch Experimentieren entstehen. Durch das Spielen mit der Technik und den Zufällen, die dabei mit im Spiel sind.

Wann habt ihr denn gemeinsam zu produzieren begonnen und wie ist eure Zusammenarbeit mit Compost Records entstanden?

Ich habe meinen ersten Sampler 1989 erstanden. Seit dieser Zeit habe ich mich mit Beats und Samples beschäftigt. Damals war ich noch Drummer in einer Band, quasi als Hauptbeschäftigung. Ich hatte aber Freunde, die mich nebenher auf den Geschmack der elektronischen Dance-Musik brachten. Es gab dann praktisch einen fliessenden Übergang vom Drummer zum Programmer/Producer. Roland kannte ich zwar schon sehr lange, aber die gemeinsamen Produktionen begannen erst 1995. Diese führten dann auch zu der Zusammenarbeit mit Compost Records. Roland und Michael Reinboth kannten sich als DJs und so wollte es das Schicksal, dass das erste Demo-Band bei Compost landete und dort auch als 12" veröffentlicht wurde.

Wie hat eure musikalische Entwicklung angefangen? Wann habt ihr euch kennengelernt?

Wir sind schon als Teenager in benachbarten Gymnasien in den jeweiligen Bands die Drummer gewesen und kennen uns somit seit ca. 15 Jahren. Die Bands von damals waren dem Funk und Soul verschrieben. Unsere erste Zusammenarbeit hat sich dann aber erst um 1995 ergeben.

Kannst du mir etwas über das Entstehen eures neuen Albums "Fusion" erzählen?

Insgesamt haben wir drei Jahre daran gearbeitet, aber die eigentliche Produktion dauerte nur ein Jahr. Der Titel "Fusion" wurde dabei nicht bewußt gewählt, sondern war einfach die logische Benennung, als das Album dann fertig war. Entstanden sind unsere Tracks eigentlich alle in unserem Studio in München, bis auf die Vocals von Sugar B. und den Aphrodelics, die in Wien aufgenommen wurden.

Wie kam es eigentlich zu eurer Zusammenarbeit mit Sugar B., den Aphrodelics und Deidry Jones?

Die Kollaborationen sind alle aus freundschaftlichen Kontakten heraus entstanden. Man kennt sich, respektiert sich und kann einander musikalische bereichern. Sugar B. kannten wir, wie auch Rodney Hunter von den Aphrodelics, über unseren Voom:Voom-Partner Peter Kruder. D.Jones haben wir über die Stuttgarter House-Produzenten Tiefschwarz kennengelernt.

"Fusion" ist musikalisch vielschichter als "Aquarius", euer Vorgänger-Album, eure Sounds haben sich weiterentwickelt. Wie seht ihr diese Entwicklung?

Natürlich haben wir in diesen drei Jahren einen Entwicklung durchgemacht. Man erlebt sehr viel, reist um die Welt und schärft seine Skills. Durch die neuen Projekte die wir in dieser Zeit ins Leben riefen(Trüby Trio/ Voom:Voom) wurden wir auch beinflusst. Musik machen begreifen wir eher als eine Reise, bei der man immer den aktuellen Zwischenstand auf CD fest hält. Man kommt aber nie wirklich an einem Ziel an, sondern nähert sich diesem immer nur. Der Weg ist das Ziel.

Wir wollten mit diesem Album unsere Vision von Drum'n'Bass vorstellen, die sich in verschiedenste Richtungen entwickeln kann. Es ist uns auch wichtig, aufzuzeigen, dass sich mit einer gewissen "Openmindness" alle möglichen Genres miteinander fusionieren lassen.

Welches Equipment habt ihr für Euer Album benutzt?

Wir benutzten vorwiegend Emagic Logic Audio auf einem Mac. Dazu diverse Sampler und Emus so wie eine Outboard Processing Gear. Das wichtigste Instrument ist aber sicherlich der Computer. Equipment ist für uns aber nicht so wichtig. Die Idee ist das, was es ausmacht. Das wichtige ist die Machinen dazuzubringen, eine Emotion zu transportieren. Wir versuchen die Sessions im Studio mehr wie einen Jam zu begreifen. Dabei ist uns Spontanität sehr wichtig.

Ihr habt ja mit DJ Rainer Trüby auch das Trüby Trio gegründet. Wie ist diese Zusammenarbeit entstanden und wie unterscheidet sich das Projekt von "Fauna Flash"?

Wir sind mit Rainer bei der FSOJ Tour unterwegs gewesen. Er hatte zu der Zeit kein musikalisches Projekt und wir wollten etwas Neues ausprobieren. So haben wir einen Track für die FSOJ3 produziert, der für etwas Aufmerksamkeit sorgte. Danach folgten einige Remixe und 12inches und Ende diesen Jahres hoffentlich das Album. Der Unterschied zu Fauna Flash ist der, dass wir zuerst einmal mit Rainer drei sind. Dann ist die Zusammenarbeit dadurch anders, dass er mehr als Dj denkt und dadurch der Einfluss immer sehr am momentanen Geschehen der Dancefloors orientiert ist. Fauna Flash ist das perönlichste Projekt im Moment.

Und wie kam das Projekt "Voom: Voom" mit Peter Kruder zustande?

Wir kennen Peter schon sehr lange. Voom:Voom ist sehr spontan entstanden und ist eher ein "Spassprojekt". Die Zusammenarbeit ist für uns sehr inspirierend und wird auf jeden Fall weiter geführt. Bis jetzt haben wir zwei 12" produziert.

Ihr seid ja in den letzten Jahren viel als Live-Act durch die Weltgeschichte getourt. Wie sieht bei euch der Live-Act aus? Legt ihr auch gerne Platten anderer auf?

Der Live-Act, den es aber erst einmal länger nicht mehr geben wird, sah so aus, dass Roland und ich mit Drumpads und Sequenzer die Tracks von unserem Album Aquarius wie ein live gespieltes Dj-Set darboten. Das heißt, dass es z.B. keine Pausen zwischen den Songs gab. Wir sind im Moment jedoch mehr am Auflegen interessiert, gerade eben, weil man dabei auch die Musik anderer spielen kann.

Wie sehen eure Zukunftspläne aus?

Beim Trüby Trio steht ein Album innerhalb des nächsten Jahres an, bei Voom:Voom ist derzeit nichts geplant, aber man kann nie wissen. Wir werden jedenfalls weiter am Song-Writing feilen und verstärkt mit Vocals arbeiten. Wie wir uns jetzt aber tatsächlich weiterentwickeln, wissen wir selbst derzeit am allerwenigsten.

Interview: Barbara Wimmer aka Shroombab [1] (März 2001)
Das Interview erschien im März 2001 im Breakbeat Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.


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