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Goldie Update 1997


Ich traf Goldie vor seinem Gig im Vorprogramm von Björk in Berlin um ihn zu den neusten Entwicklungen in Sachen Metalheadz-Label und Club, seiner Rolle als Medien-Darling und das bevorstehende Ende aller Genres durch Jungle zu befragen.

Das geplante Interview verzögerte sich erheblich, da er zwei Off-Tage genutzt hatte um zum "Vodoo Magic"-Rave und zum Metalheadz-Club (jeden Sonntag im Blue Note Cafe) nach London zurück zu jetten und bereits 16 Stunden überfällig war. Die Taschen voller Flyer und Stüssy-Shirts für seine Crew, trudelte er dann doch noch ein und war wie immer nicht zu stoppen. Hier ein kurzer Ausszug:


Wie kommst Du mit Deiner Rolle als "Jungle-Botschafter" zurecht?


Goldie: It fucks me up. Ich reflektiere. Ich bin ein Fenster. Wenn Du anfängst Dir einen auf Dir selbst runter zu holen, kannst Du's besser gleich lassen. Ich kriege meine Inspiration wenn ich Jay Majik höre. Ohne die Leute auf meinem Label könnte ich keine Musik machen. You control the youth generation. Dieses Dubplate wird diesen Ort heute Nacht kontrollieren. Diese DJs werden dieses Venue heute Nacht kontrollieren. Nicht ich oder meine Musik sondern ihre Musik. Wenn ihr einen Rewind wollt, dann kriegt ihr einen Rewind. Wenn es nur um meine Musik ginge, wäre es eine verdammt langweilige Angelegenheit. Heute werde ich gefragt "Nun Goldie, jetzt wo Du Deinen Major-Deal hast, bist Du da nicht Overground ?" Paß auf Mann: Hör' Dir das Album von Method Man an, das ist ein wicked Pop-Album, oder ? Ist es nicht !!
Die Leute mögen Deine Platte vielleicht, aber das heißt nicht, daß sie sie auch verstehen. Aber darauf scheiß ich, solange Du nach London kommst, in die Clubs gehst und verstehst was Du hörst und solange ich verstehe was Kemistry & Storm spielen und was Doc Scott meint und Peshay und Groove und Fabio... Botschafter ? Ich weiß nicht. Es ist gut das tun zu können, was man tun will.


Wie läuft das Metalheadz-Label?

They are destroying me. They are on a fucking mission. They are fucking dangerous. Es überwältigt mich und ich kann es nicht stoppen. Wir bewegen uns auf eine major situation zu und werden es wohl auch tun. Denn wir haben die Kraft es zu tun und wir haben die totale kreative Kontrolle.

Wir sind eine Familie: Jay Majik, Hidden Agenda, Alex Recce - er ist jetzt bei Island, aber das ist cool. Wir haben ihn aufgebaut und jetzt ist er flügge- Doc Scott, Dillinja, Lemon D, Photek und Peshay. Peshay hat einen Remix von "Inner City Life" gemacht. Mit "Angel" hatte er mich ja bereits gekillt, aber als er gestern "Inner City Life" gespielt hat...


Du bist tatsächlich nach London zurück geflogen nur um in dem Club zu sein?

Ja, ich mußte es einfach tun. Ich saß hier rum und dachte nur "Shit, the club!" Ich war so aufgeregt, ich mußte zurückfliegen. So I was in there, getting fucking sorted out. Du weißt ja wie das ist, wir sind eine Einheit. Du siehst mich nicht blöd am Rand rumstehen.

Wie siehst Du die Zukunft? Wie weit wird Jungle gehen? Wer wird es verstehen?

Europa steigt ein. Die Deutschen, die Franzosen, die Schweden...es wird alles integriert. Diese Musik hat überlebt, weil sie so integrativ ist. It's not a black thing, it's not a white thing. Ich hör' die Leute reden, "Nah, I went to Goldies new club and it's all pure white people". Schwachsinn ! Würde ich den sogenannten white factor in meinem Camp eliminieren, würden die Beats nicht laufen. Würde ich den sogenannten black factor eliminieren würden die Beats genauso nicht laufen. Das ist es was den UK Underground ausmacht.

Dance Music nähert sich im Moment wieder einem Zustand totalen Freestyles. Und ich kann es kaum abwarten bis wir alle in derselben Schublade stecken. Soviele Leute meinten "fucking Jungle" und guckten Dich schräg an. Jetzt stehen sie alle drauf. Gestern habe ich fucking Des'ree im Club getroffen. Alle waren sie da, von fucking Cleveland Watkiss bis zu fucking James Lavelle. Das nenne ich Freestyle. From fucking millionaires to fucking nothings. Und so muß es auch sein!


Interview: Olski (Mekka Krew) (Februar 1997)
Das Interview erschien 1997 im Berliner D&B Magazin "easy" und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.


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