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[deepulse] - 19 Jahr', Dreads im Haar...


Was hat Dich veranlaßt Jungle zu produzieren?

Angefangen habe ich mit HipHop, mit einem schlechten Roland Sampler. Die ersten Tracks habe ich mit ein paar Freunden zusammengemacht, aber eigentlich haben wir nichts auf die Reihe bekommen. Dann kamen die ersten Ragga-Jungle Scheiben raus und Sachen wie Labello Blanco, die fand ich ziemlich gut, daß war so 94. Da hab ich dann auch die ersten Erfahrungen mit hochgepitschten Loops gemacht. Ich hab ziemlich viel herumexperimentiert und so. Aber halt immer noch mit dem alten Roland Sampler. Dann hat sich aber ein Freund von mir, Boris Bontempi - mit ihm teile ich mir ein kleines Home Recording Studio - einen Akai Sampler gekauft und dann konnte ich auch richtig loslegen.


Du hast gerade gesagt, daß Dich die Ragga - Jungle - Sachen am Anfang beeindruckt haben. Warst Du früher nie auf den Cosmic Orgasm Parties in Köln?

Seltener, zu der Zeit war ich noch mehr in Sachen HipHop unterwegs.

Und wie ging das dann weiter?

Ich hab dann gemerkt, daß Jungle zu produzieren und auch alleine Musik zu machen viel mehr Bock macht. Da ist dann niemand, der Dir dazwischen quatscht, so mach mal dieses und jenes und so weiter, man hat es einfach leichter, seinen Style zu finden.

Aber Du machst doch jetzt auch mit Ollie (Xplorer) Musik?

Ja, aber das ist echt was anderes. Wir kennen uns beide mit derTechnik aus und wissen beide was wir wollen.


Wo bekommst Du den Dein Sample Material her? Ich empfinde es so, daß Deine Tracks sich gerade in der Auswahl und Verwendung der Samples von anderen absetzen.

Na, ich höre mir alte Blues, Soul, Jazz und Funk Sachen an, die ich dann völlig anders in meinen Tracls arrangiere, so daß aus diesen Sounds was ganz neues entsteht. Die Vokals nehme ich meistens von HipHop Scheiben.Bei dem Track "Crazy Vision" den Ollie und ich zusammen gemacht haben, stammen die Vokals aus einem Radio Livemitschnitt von Wutang Clan.

Welches Equipment benutzt Du?

Ich benutze einen Akai Sampler und einen alten Atari. In naher Zukunft möchte ich mir einen EMU E-64 zulegen. Der ist einfach phatter.

Welche Produzenten magst Du?

Vor allem mag ich Photek, Lemon D, Roni Size, Krust, Dillinja, also eher die experimentellen & harten Sachen und den ganzen Bristol Style.

Was gefällt Dir an den experimentellen Sachen?


Ich mag bei Photek, daß er sich nicht an den klassischen Breakbeat Aufbau hält, sondern die Beats auflöst, als würden sie frei im Raum schweben, wobei sie an den entscheidenen Stellen mit dem Bass und den Sounds zusammentreffen, wodurch das Rollen der Drums verstärkt wird.

Du arbeitest viel mit Ollie zusammen. Wo liegt der Vorteil oder der Unterschied bei so einer Zusammenarbeit?

Man hat zu zweit einfach mehr Ideen, dem anderen fällt immer noch was ein, was das Ganze noch perfekter macht. Alleine arbeite ich nicht so, ich halte mich z.B. nicht so lang an einem schwierigen Break auf. Wenn wir zu zweit arbeiten, tüfteln wir diese Sachen dann richtig aus, so daß sie exakt so sind, wie wir sie haben möchten.

Was meinst Du denn, wie sieht die Zukunft von Jungle aus?


Ich denke das Ganze wird sich noch mehr aufteilen, ich glaube es wird so etwas wie Chart Breakbeat geben, aber auch noch mehr Tracks, die in Richtung Photek gehen, also sehr hart und experimentell, und dann sowas, was man mehr zu Hause hört, ruhigere Stücke. Man kann auch mehr aus diesem 4er Takt ausbrechen, anstatt sich immer danach zu richten.

Demnächst kommen von Dir und Ollie eine 12" auf Audio Maze raus, auf dem Label von Dr. S Gachet. Wie ist es den dazu gekommen?

Das war eigentlich mehr der Zufall. Wir wollten die Tracks eigentlich auf unseren eigenen Labeln, TooFarOut & Propaganja veröffentlichen. Dem Gachet haben wir immer unsere neusten Tracks geschickt, um seine Meinung zu hören. Na und Crazy Vision hat er dann direkt behalten, um es zu veröffentlichen. Die Platte erscheint vorraussichtlich Anfang September, mit einem neuen Mix von "Crazy Visions" und dem Roller Track "Flyin'".

Es ist auch sehr schwierig, Breakbeat Sachen in Deutschland rauszubringen, wenn man auch in London gespielt werden will. Die Leute in England sind einfach super kritisch. Naa, und wenn man schon ein Release auf einem anerkannten Label in der Tasche hat, ist es mit Sicherheit einfacher Produktionen auf Propaganja und TooFarOut zu verkaufen. In den nächsten Monaten werden X-Plorer und ich dann endlich die ersten zwei Platten auf TooFarOut und Propaganja (sowie case invaders) veröffentlichen. 4 brandheisse Roller Tracks. Wwatch out!


Gibt es DJs die Du besonders magst?

Ich kenne eigentlich nur die Kölner DJs, sowie ein einige Berliner und Londoner/Bristol DJs. Von daher kann ich es nicht wirklich beurteilen.

Du hast gerade Abitur gemacht . Was hat Du jetzt vor, wie geht's jezt bei Dir weiter?

Na, erstmal Musik machen, Musik machen, Musik machen. Dann kommt endlich ein wenig mehr Rythmus in die ganze Sache. Im neuen Studio können wir unsere Tracks dann auch direkt nach Fertigstellung abmixen. Im Moment dauert das einfachzu lange, fast ein halbes Jahr, rumprobieren, Equipment ausleihen, bis man dann endlich ins Studio kann. Aber bald wird alles besser.

So, ich spiel Dir jetzt noch ein paar Platten vor, sag einfach mal, was darüber denkst.

Lemon D - I can't stop (V-Recordings
)

Ja, das ist Lemon D. Die zweite Fläche finde ich was merkwürdig, aber der Bass ist schoncool und die Amenbreaks sind ziemlich clever gesetzt. Das hat Lemon D schon mit am Besten raus.

Photek - Rings around Saturn (Photek)

Der Track ist brilliant. Vielleicht hat er es mit den Vocals etwas übertrieben. Die Rückseite gefällt mir sogar noch besser. Die hat so einen tollen, warmen Zupfbass und perfekt geloopte Flächensounds. Die Tracks sind einfach total jazzy arrangiert.

Dr. S Gachet - Forbidden Agenda (Audio Maze)

K Das ist schon sehr housig. easy going. Es ist nicht mein Ding, easy going Tracks zu produzieren, dazu fehlt mir irgendwie die Ruhe.

The hardway - Smooth Operator (Dope Dragon)

Die Platte haben wir uns oft angehört, als wir an "Crazy Visions" gearbeitet haben. Die ist schon gut. Der Bukem-Beat ist sehr schwierig zu cutten, da er irgendwie schräg im Takt ist. Dadurch ist es halt schwer, ihn mit anderen Beats zu synchronisieren. Da muß man ganz schön dran rumfrickeln.

Interview: Original aki (Cologne hero) (Janur 1997)
Das Interview erschien 1997 im Berliner D&B Magazin "easy" und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.


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