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Photek I


Mit Photek 1-6 setzte er Drum'n'Bass-Maßstäbe, mit "The Hidden Camera" zeigte er, daß man auch auf Major Labels richtungsweisende Platten veröffentlichen kann und auf seiner neuen 12" auf ART führt er coolen Techno vor.
Was Rupert Parkes (Photek) sonst noch so in petto hat, verrät er im folgenden Gespräch.


Im Vorfeld dieses Interviews bezeichnete der zuständige Promoter deiner Plattenfirma Virgin dich immer als Band. Offensichtlich hat er nie auch nur einen einzigen deiner Tracks gehört. Ist das der Tribut den man zahlen muß, wenn man auf einem Major-Label ist?


Sowas ist schon scheiße, aber wichtig ist letztendlich doch, daß sie mich überhaupt gesignt haben. Ich wollte in der Lage sein Alben zu machen und nun habe ich einen Vertrag über fünf Longplayer. Das wäre bis vor einem Jahr noch völlig undenkbar gewesen. Und: Ich habe völlige künstlerische Freiheit. Ich kann machen was ich will und bin außerdem noch in der Lage mein eigenes Label zu betreiben, unabhängig von Virgin, und Stoff für andere Labels zu produzieren.

Was hast du dir von deinem ersten Virgin-Check gekauft?

Nichts. Ich bin noch gar nicht dazu gekommen. Klar habe ich ein paar Freunden das ein oder andere Bier ausgegeben, aber große Anschaffungen habe ich nicht vor. Ich werde demnächst noch ein Stückchen weiter außerhalb von London ziehen, aber das hat nichts mit dem Major-Deal zu tun. Und Equipment habe ich bereits genug.

Mit was für Geräten produzierst du deine Tracks?

Ich benutze Cubase als Sequencersoftware auf einem PC, werde mir aber wahrscheinlich bald einen Apple kaufen. Außerdem besitze ich als Sampler einen Emulator 4, davor hatte ich die Roland Workstation W30. Das sind auch schon die wichtigsten Geräte. Analoges Zeug interessiert mich nicht. Ich sample hauptsächlich.

An was arbeitest du zur Zeit?

Gerade ist eine Platte von mir auf Kirk de Giorgios ART-Label erschienen, auf der sich neben einem Drum'n'Bass-Track auch zwei Technostücke befinden. Techno interessiert mich schon seit langem, eines meiner Lieblingslabel ist Basic Channel. Also werde ich auch weiterhin in diese Richtung tätig sein.
Vor allem bin ich momentan an meinem ersten Album am arbeiten, das Anfang 97 erscheinen soll. Neben Drum'n'Bass wird es dort auch Techno und HipHop-Tunes zu hören geben.


Woher stammt eigentlich dein Name?

Ich suchte damals nach einem passenden Logo für meine Platten. Gemeinsam mit einem Freund von mir, der Graphikdesigner ist, überlegten wir dann einige Schriftzüge, die sich gut machten, ohne einen konkreten Namen vor uns zu haben. Das ist etwa so wie bei Graffiti-Sprühern, die haben auch ihre Lieblingsbuchtstaben. Photek sah schließlich gut aus und klang auch ganz nett. Bedeuten tut es aber nichts.

Auf welche Jungle-Sachen stehst du momentan?

Das sind immer noch die alten Sachen. Bukem, Source Direct, Dilinja - aber der meiste Stoff sind Dubplates und das bringt ja eh nichts wenn ich dir jetzt von denen vorschwärme. Es gibt aber kaum neue Acts, die mich begeistern. Das ist auch der Grund warum ich für mein eigenes Label auf der Suche nach neuen Talenten bin. Als nächstes veröffentliche ich allerdings eine Platte von Peshay, der ja mittlerweile bei Mo Wax unter Vertrag ist.

Was hälst du von Leuten wie Alex Reece, die scheinbar nur einen einzigen Beat programmieren können?

Was soll ich dazu sagen? Die Musik die wir machen nennt sich ja nicht umsonst Drum'n'Bass, das läßt doch eigentlich darauf schließen, das die Beats recht wichtig sind, oder? Ich jedenfalls hätte keine Lust immer das gleiche zu machen.

Wie entstehen deine Beats?

In letzter Zeit, wie zum Beispiel bei der Hidden Camera-Scheibe sample ich oft Drum-Kits. Manchmal variiert das auch. Dann nehme ich die Hi-Hat von einer CD, die Kicks von einem Session-Drummer und so weiter. Dann programmiere ich die Beats wie auf einer 808, sample die Breakbeats, verändere sie durch Effekte wie Timestretching und erhöhe die Geschwindigkeit (normalerweise von 120 auf 167 BPM). Das Resultat ist dann das meine Beats einzigartig und ziemlich organisch klingen, aber halt Breakbeats sind.

Der Nachteil dieser Prozedur ist, das sie verdammt lange dauert. Vier Tage für einen einzigen Beat ist da keine Seltenheit. Das ist wohl auch der Grund, warum es nicht viele gibt, die sich diese Mühe geben.


Interview: Rob Marvin (August 1996)
Das Interview erschien 1996 im Berliner D&B Magazin "easy" und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.


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