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Ninja Tune




In den späten Achtzigern produzierten Matt Black und Jonathan More aka Coldcut kommerziell erfolgreiche Chartmusik mit Yazz und Lisa Stansfield. Ihr Remix von "Paid In Full" von Eric B. & Rakim wurde aufgrund des Samples Ofra Haza's "Im Nin' Alu" zu einem Welthit. Das Duo fühlte sich vom engen Rahmen der Major Labels in ihrer Kreativität beschnitten und gründete 1991 NINJA TUNE. Anfang der 90er war das Label stilprägend im Bereich Trip Hop. Mittlerweile veröffentlichen die 44 exklusiv gesignten Künstler innovative Musik aus den Bereichen Hip Hop, Easy Listening, Drum and Bass und experimentellem Electro. Durch die spezielle Handschrift der Releases, wird das Nina Tune Output von vielen als eigenständiges Genre angesehen. Zu ihrem 20. Geburtstag begibt sich das produktive Camp auf eine ausgedehnte Tour, veröffentlichte eine bereits ausverkaufte Box auf der 106 der besten musikalischen Momente der letzten zwei Dekaden festgehalten wurden, plus ein 192 Seiten umfassendes Buch und 20 Audio-Raritäten zum freien download.


Die Ausstattung und das ideenreiche Treiben im kleinen Nina Tune Haus in Süd London spiegelt das originelle Output wieder, mit dem die Welt im Großen versorgt wird. Der schöpferische Schmelztiegel sieht aus wie ein von Künstlern besetztes Haus, an den Wänden befinden sich Poster aus den letzten 20 Jahren Labelgeschichte und in den teils chaotisch aussehenden Räumen befinden sich Tonstudios, Videoschnittplätze und eigentümliche wirkende Büroräume. Im Lagerhaus in der untersten Etage fügt sich dann wieder alles zu einem begnadeten Ganzen zusammen.

Von hier aus wird der Globus mit phantastischen Schallplatten, CD´s, DVD´s, T-Shirts und vielem mehr beliefert. Die Logistik des Clans wird von Coldcut geplant und von 18 "Büro-Mitarbeiter" und den 44 Künstlern getragen. Die beiden beschreiben sich selber als zwei Weiße, mit einer riesigen Plattensammlung, die gerne schwarze Musik hören. Ihre Arbeitsweise, Ausschnitte aus Musikstücken herauszuschneiden und dann weiter zu verwenden haben sie auf ihren Alben "Let Us Play" und "Let Us Replay" perfektioniert. Auch die anderen sieben Alben und unzähligen Singles sind exzentrische Beweisstücke, eigenständige und rebellische Musik zu produzieren. Eigenständig und rebellisch sind auch alle anderen Nina Tune Künstler, die Produktionsweise ist hier aber so unterschiedlich wie der Sound den sie veröffentlichen.

DJ Vadim, Ty und Roots Manuva halten Hip Hop frisch, ungeachtet jeglicher Profitorientierung werden Texte und Beats fabriziert, bei denen alle US-amerikanischen Künstler der gleichen Sparte blass werden. Songs wie "Your Revolution" landen wegen sozialkritischen und nicht wie sonst üblich sexistischen Texten auf dem Index. Die London Funk Allstars, Funki Porcini, Mr Scruff , The Herbaliser und Coldcut bewegen sich im weitesten Sinne in dem von ihnen geprägten Trip-Hop Becken, in dem auch Stars wie Massive Attacke und DJ Shadow schwimmen. Amon Tobin lebt schon immer in seiner eigenen Welt und entwirft Soundtracks mit obskurem Ambiente und wilden Jungle Breaks, wohingegen The Quemists sich als Band um rockigen Drum and Bass kümmern. Richtig tiefe Bässe bei langsamerer Geschwindigkeit irgendwo zwischen brachialem Electro, Dancehall, Ambient, Dubstep und abstraktem Noise werden von The Bug, Erika, Off shore, Dorian Concept und Wiley kreiert.

Die Videokünstler Hexstatic erfinden genau wie Coldcut neue Software um die Musik, wie bei dem Stück "Timber" in dem gegen die Abholzung des Regenwaldes protestiert wird, mit Bildern zu unterlegen. Die Musik der anderen Charaktere aus dem Ninja Tune Universum, wie von dem Songwriter Fink, dem kleinen australischen Turntable-Wunder Kid Koala oder den Freigeistern von The Cinematic Orchestra zu beschreiben, würde völlig den Rahmen sprengen. Gerade Abenteurer und Künstler fühlen sich von den Nina Tune Produkten und Shows angezogen, doch anstatt sich nach zwanzig Jahren auf dem verdienten Ruhm auszuruhen, starteten Coldcut mit dem Leitspruch "Fuck Art Let´s Danke" erst richtig durch. Das gesamte Label ist so komplex, dass man mit einem Artikel über zwei Seiten nur die Oberfläche ankratzen kann. Um euch selber etwas gutes zu tun, setzt ihr euch am besten sofort die Kapuze auf und beschäftigt euch die nächsten paar Wochen ausgiebig mit einem der originellsten Labels der Musikgeschichte.


Text: Oliver Lüddecke, Foto: Ninja Tune Camp
Der Text erschien im Headliner [1] Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.


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