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The Meditation History


2001, das erste Jahr im neuen Millenium: Dass sich ein Event wie die Meditation nur aus der Rhein-Neckar Region herausentwickeln konnte, ist klar. Mannheim ist Jungle’s Rave City und die Rhein-Neckar Region gilt seit 1994 als Deutschlands Hauptumschlagplatz für Jungle und Drum’n’Bass. Es hat sich eine eigene Szene gebildet, mit ihren eigenen Produzenten, DJs und MCs, ihren eigenen Platten - und Clubwear-Läden, ihren Clubs und Raves. Der ganze Plastik-Hype von Mitte der 90er Jahre, als Jungle von deutschen Zeitgeist-Trendschnüfflern protegiert wurde, ist lange vorbei und eigentlich hat er die Region, in der die Musik längst institutionalisiert war, nie richtig tangiert.

Schon vorher nämlich wurden englische DJs und MCs fast wöchentlich eingeflogen, erst ins Vibration, später in den Crime Club, und schließlich auf die Meditation Raves, die so etwas wie einen Katalysator der süddeutschen Rave-Szene bilden. Und jedes Mal kann man dabei Zeuge desselben Schauspiels werden: die Musik verebbt, die Deckenbeleuchtung schaltet sich ein, draußen scheint längst die Sonne, das Security-Personal meutert und verlangt Überstundenzuschlag, weil es sich mit dem Problem im Stich gelassen fühlt, Tausende von tobenden, wie Gummibälle auf & abhüpfende Raver unter Kontrolle zu bekommen und sicher aus der Halle herauszusteuern.

Wenn bei großen Raves in England das letzte DJ-Set gemeinhin als "Graveyard Shift" bezeichnet wird, dann brennt bei einer Meditation jeder darauf Letzter zu sein, einfach weil einem dann ein dermaßen aufgepeitschtes Publikum in die Hände fällt, dass man praktisch alles auflegen kann. Brockie, Kenny Ken, Jumping Jack Frost, Bryan Gee, Hype und Mickey Finn können ein Lied davon singen.

Dabei war die erste Meditation am 15. Juli 1995 eine ernüchternd defizitäre Angelegenheit. Nicht etwa, weil die Veranstaltung nicht angenommen wurde, sondern weil sich ein Teil des Publikums mit gefälschten Stempeln Einlaß verschaffte. Die Walzmühle in Ludwigshafen, ein halbabgerissenes Fabrikgebäude am Rheinufer, gab eine düstere, schwach beleuchtete Kulisse ab, aber es ging weniger um das Wo, sondern um das Was.

Reine Jungle und Drum’n’Bass Raves, wo fünf oder sechs DJs im Stundentakt auflegen und die MCs wie Staffelläufer über den Beat sprinten, hatte in Deutschland noch niemand riskiert, und auch die erste Meditation war eher ein Zufallsprodukt. Der eigentliche Auslöser war schlicht eine DJ-Doppelbuchung (Darren Jay und Ray Keith) für den Vibration Club, lange Zeit das Mekka der Drum’n’Bass Szene im Rhein-Neckar Raum. Es war ein gewaltiges Zuschußgeschäft, aber eben auch ein euphorisierender Anfang.

Meditation II (21.10.1995) wurde generalstabsmäßig geplant, bot ein Line-Up, das Drum’n’Bass in allen Aspekten berücksichtigte, LTJ Bukem und DJ SS, Peshay und Mickey Finn, Namen, die sich in England selten auf ein & denselben Flyer verirren würden, dazu noch DJ Rap, Bryan Gee und die Mannheimer Residents E.Decay, Bassline Generation und Dee Jay E.

Und Meditation II war dann auch ein Durchbruch an allen Fronten: die Halle ein Hexenkessel, subtropische Temperaturen, ein Meer von brennenden Einwegfeuerzeugen und eine Zugabe nach der anderen; wenn noch ein Beweis fällig war, daß sich Jungle und Drum’n’Bass in Deutschland durchsetzen können, dann wurde er in dieser milden Oktobernacht erbracht.

Meditation III im März 1996, ein Event, bei dem die Walzmühle erstmals aus allen Nähten platzte, brachte mit Grooverider, LTJ Bukem, Kenny Ken und DJ Hype einmal mehr ein veritables Drum’n’Bass - Who’s Who an den Start.

Der Umzug in die größere Halle 101 nach Speyer für Meditation IV (15.06.1996) war ein dringend notwendiger Schritt, denn die knapp 3.000 Junglists, die aus ganz Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden angereist waren, hätte die vorherige Location nicht mehr aufnehmen können. Randall, Jumping Jack Frost, Fabio, Mickey Finn, die Bassline Generation und Brockie - dem wir das Rinse Out-Finale überlassen hatten - räumten vor einem frenetisch feiernden Publikum ab wie nie zuvor.

"Es lag ein einzigartiger Vibe in der Luft", meinte Fabio später, "etwas, das ich in Deutschland so noch nie erlebt habe." MC Five-O, der den Champagnervorrat Backstage beinahe alleine bewältigte und sich auf der Bühne so abgerackert hatte, daß er sich bei der Abrechnung morgens um acht nur noch krächzend verständigen konnte, erklärte Meditation IV glattweg zum Jungle-Event des Jahres - ein kapitales Kompliment, vor allem wenn es von jemanden kommt, der in London so ziemlich alle Raves abklappert.

1996 war auch das Jahr der Mediation "Jungle Warriors" Tour, die u.a. im Mai in Hanomag Tor in Hannover und im August in der Uni Mensa in Bremen Station machte.

Meditation V (19.10.1996) dürfte wohl die wegweisendste Drum`n Bass-Veranstaltung sein, die bis dato in Deutschland stattfand.. Mit einem Line-Up, das noch heute jeden einzelnen Musik-und Partybegeisternden das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt, wurde hier aufgewartet: Roni Size und Krust, Hype und Zinc, Brockie und Swift, E.Decay und DeeJay E als Back 2 Back-Sets sowohl Grooverider, Peshay, Shy FX und die MCs Navigator, Det, GQ und Dynamite hatten die einmalige Gelegenheit auf einem Mega-Event, das fast 3.600 Besucher aus dem gesamten mitteleuropäischen Raum anzulocken wusste, ihr Können unter Beweis zu stellen.

Grooverider, Hype und Roni Size, die wohl mittlerweile bedeutendsten Persönlichkeiten im Drum`n Bass-Circuit waren hellauf begeistert und gaben Meditation V als den Rave des Jahres 1996 in Ihren Interviews und Befragungen an. In Kooperation mit MTV Europe kam auch ca. 2 Monate später eine eigene "Party-Zone-Show" zustande, die Interviews und Features der Acts, Eindrücke und ausgewählte Music-Clips des grössten Drum`n Bass-Events präsentierte. Mit eigenem Kamera-Team und der MTVJane Simone Angel war der Sender vor Ort vertreten, um dieses einmalige Ereignis in Bild und Ton festzuhalten.

Bereits schon 3 Monate später waren die Junglists zur Zusammenkunft auf der Meditation X-Mas-Special (21.12.1996) )aufgerufen und über 2.000 Leute folgten dem Ruf. Ein exzellentes Line-Up mit Randall, Jumping Jack Frost, E.Decay, Mickey Finn und Dr S Gachet und den MCs Navigator und "singin" Fats sowie Stevie Hyper D, der hier vor seinem Tod seine letzte Germany-Appearance gab, war ein Garant für eine kickende Party, auf der, wie es sich gehört, auch kräftig Weihnachtsgeschenke an die Leute verteilt wurden. Friede, Freude, Eierkuchen eben...

Mit Meditation`s Urban Planet Breaks in der Kultlocation Vibration wurde das letzte Mal vor der großen Schaffenspause ein Megaprogramm aufgefahren: Roni Size, Randall, Mickey Finn, Hype, E.Decay, Peshay, LTJ Bukem und die MCs Navigator, GQ, Dynamite und Conrad wussten auch hier wieder die 2.800 Besucher professionell zu unterhalten. Besonders tragischer Nebeneffekt der Party: Am Eingang mussten über 800 Leute aus Platzmangel abgewiesen werden. Wie schon angedeutet, folgte darauf eine fast eineinhalbjährige Ruhepause, um mit neuen Ideen, neuem Drive und genügend gesammelter Erfahrungen Ende 1999 wieder neu einzusteigen.

Am 30.10.1999 fand dann die "Mixery Meditation" mit dem Subittel "Return of the Forces" in der 5.000 Personen fassenden Friedrich-Ebert-Halle in Ludwigshafen statt. DJ Hype, Andy C, Bryan Gee, E.Decay, Storm, Brockie, MC Navigator, Ragga Twins, MC 5ive-O, Det, Soultrain, Eddy Freeze brachten diese riesige Location zum wackeln. Wer nicht auf dem Dancefloor alles gab, genoss die Aussicht von der bis unter die Hallendecke reichenden Tribünen.

Die nächste Mixery Meditation am 27.05.2000 läutete das neue Millenium aber auch das kommende Ende von Meditation ein. Das Motto der Party: "The End is just the Beginning".

Geladen waren LTJ Bukem, Mickey Finn, Grooverider, Brockie, Jumping Jack Frost, DJ SS, Blame, J. Majik, Rantoul, Bailey, Rinc, Bassface Sascha, E.Decay, Jonathan und ganze Batterie von MCs: Magika, Conrad, Shabba, DRS, Killabee - um nur einige zu nennen. Als Location wurde abermals die Friedrich-Ebert-Halle in Ludwigshafen gewählt.

Die letzte Meditation - am 04.11.2000 - fand in einer neuen Location, dem Messezentrum in Sinsheim, statt. Die zwei Floors waren in einer riesigen Halle untergebracht, was hin- und wieder zum Soundclash führte. Musikalisch erweiterte man das Spektrum.

So spielte neben Drum'n'Bass Acts wie Grooverider, Fabio, Hype, Mickey Finn, Bad Company, Usual Suspects, hard:edged Crew, MC GQ, Skibadee, Jamie White, Magika, etc.auch damals angesagte Garage und 2Step Acts Artful Dodger und Gush Collective. Musikalischer Highlight des Abends war der Reprazent Liveauftritt mit Roni Size, Krust, Die, Suv, MC Dynamite und Miss Onalee.


Text: Meditation

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