Lange ist es her, dass der Name “T-Power” in den Medien aufgetaucht ist. Genauso
lange, wie sein letztes Album, “Waveforms” (1996) zurückliegt. Dazwischen
gab es jedoch ein Projekt namens “Chocolate Weasel”, mit dem er ein experimentelles
Album auf Ninja Tunes veröffentlichte. Mit seinem neuen Werk - “Long Time
Dead” (Botchit & Scarper) - versucht T-Power, sich zum letzten Mal ins Geschehen
der Nu-Skool-Breakbeats einzuklinken, denn für seine Zukunft sieht T-Power
nicht mehr im Dance-Musik-Bereich.
Medienscheu ist Produzent Marc Royal, welcher sich hinter dem Namen T-Power verbirgt,
nach wie vor, denn ein Interview wurde leider nicht ermöglicht. Doch wir
ließen uns nicht davon abhalten, ein wenig in der Vergangenheit von T-Power
und dem dazugehörigem Label, Botchit und Scarper, zu stöbern...
Schon '91 tauchten die ersten Releases von T-Power auf, die damals noch unter
dem Namen “the Bass Selective” erschienen – “Blow Out Part II” wurde ein massiver
Hardcore-Hit, der die ganze Szene beeinflußte. In den darauffolgenden Jahren
erschienen weitere Tracks, die sich mittlerweile mehr im Bereich des Jungles
angesiedelt hatten. Darunter befand sich auch ein Remix des legendären “Original
Nuttah” von Shy Fx sowie ein Remix des Tracks “Greater Love”. Mit “Mutant Jazz” gelang
T-Power 1995 dann ein weiteres Stück, welches aus der atmosphärischen
Jungle-Szene kaum wegzudenken ist und gleich zweimal von DJ Trace remixt wurde.
Es brachte den Jungle ins Wohnzimmer, so manch einer bezeichnet es auch als “Liquid
Funk”.
T-Power kam über frühen Hip Hop zu Hardcore und Jungle, experimentierte
mit Drum-Patterns und arbeitete mit dem Computer nicht nur wie mit einer Maschine.
Seine computer-generierte Musik hatte eine Seele, und so kamen im Laufe der Zeit
auch noch zwei Alben heraus: “The self-evident truth of an intuitive mind” und “Waveforms”.
Letzteres erschien im Herbst 1996 und läßt sich mehr in die Kategorie “experimenteller
Techno” einordnen. T-Power verwendete dafür viele Hintergrundgeräusche
wie etwa Verkehrslärm, zugeschlagene Türen, gestohlene Wortfetzen von
Unterhaltungen, wildgewordene Sirenen und ähnliches. Kurz nach der Veröffentlichung
von “Waveforms” auf SOUR wurde das Label stillgelegt. “Waveforms ist nach wie
vor mein persönliches Lieblingsalbum. Zu dem Zeitpunkt des Entstehens wußte
ich bereits, dass das Label den Bach runter gehen würde und mit diesem Wissen
produzierte ich einfach ein mehr als verrücktes Album. Denn ich wußte,
dass dieser Moment, wo ich mir das erlauben kann, nie wieder kommen würde.”
Unmittelbar danach wechselte Marc zum Label Ninja Tunes, um gemeinsam mit Chris
Stevens am Projekt “Chocolate Weasel” zu arbeiten. Das Album “Spaghettification”,
welches aus dieser Kollaboration entstand, bezeichnet T-Power selbst als “doing
something stupid”. Für ihn war der Moment gekommen, an dem er seine ganze
Ideologie von Bord warf und begann, gewisse Dinge nicht mehr zu ernst zu nehmen. “In
meiner Vergangenheit gab es auch mal eine Tendenz, in der ich als launisch, manisch-depressiv
und als Verschwörungs-Theoretiker galt. Ich habe auch viel in diesem Bereich
gelesen. Diese Zeit habe ich einfach durchgemacht und nun geht es mir besser.”
Ende 2000 war es dann soweit: Das neue Album von T-Power mit dem passenden Titel “Long
Time Dead” war fertiggestellt, auf dem 12 kontroversielle Tracks wiederzufinden
sind. “Der Titel sagt eigentlich schon alles aus. Wegen der ganzen Sache mit
SOUR fühlte ich mich richtig schlecht und als Chris dann nach Beendigung
unseres Albums wieder nach Neuseeland zurückging, wußte ich nicht,
ob ich überhaupt weitermachen wollte. Doch plötzlich wußte ich,
dass ich einfach auf jeden Fall wieder ein Breaks-Album herausbringen wollte,
ein weiteres Underground-Album.”
Weit entfernt vom heutigen, neuzeitlichen Drum'n'Bass, beinhaltet es hauptsächlich
Nu-Skool-Breakbeat-Tracks. “Cycles” stellt eine besonders eingängliche Trip
Hop-Nummer dar, zwei Stücke werden von BLAME MC-technisch unterstützt,
weiters sind zwei Vocalistinnen namens “Amaziree” sowie “Zoe” darauf vertreten.
Im großen und ganzen unterscheiden sich die Tracks nur begrenzt voneinander,
und es klingt, als würde sich T-Power zu wenig experimentieren trauen. Tatsächlich
war es auch so: “Mit diesem Album war ich sehr vorsichtig. Ich wollte es nicht
zu verrückt machen, um es nicht auf dasselbe Level wie “Waveforms” zu stellen.
Durch “Chocolate Weasel” habe ich außerdem gelernt, dass es auch wichtig
ist, anderen Artists, mit denen du zusammenarbeitest, eine Chance gibst, sich
ausreichend einzubringen. Das tat ich dieses Mal.”
Die Instrumentalstücke von “Long Time Dead” klingen noch am eingänglichsten
und wärmsten, da sie ein wenig an 2Step Garage erinnern. Vom “junglistic
vibe”, wie Blame in einen Track droppt, ist jedoch nicht allzuviel zu spüren,
im Gegenteil: Durch den Vocoder gejagte Vocals und slow-motion-Breakbeats erinnern
eher an eine Mischung aus 80er-Jahre Electro und Hip Hop und einen Hauch von
Depression. “Long Time Dead” wird voraussichtlich auch das letzte Album von T-Power
bleiben, denn er hat für seine Zukunft andere Pläne. “Ich werde zwar
weiterhin Musik machen, aber dancefloor-orientierte Musik reizt mich einfach
nicht mehr. Ich werde wohl neue Wege gehen müssen.”
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In der Zwischenzeit machen wir einen kurzen Absprung zu “Botchit & Scraper”,
einem 1995 von Vini Medley und Martin Love gegründetem Label, welches sich
vorwiegend den Nu-Skool-Breakbeats widmet. Gesignt sind Artists wie “FreQ Nasty”, “B.L.I.M”, “Purple
Kola” und “T-Power”, die alle schon jahrelang im Musikbusiness dabei sind und
meist mit abwechslungsreichen Releases aufwarten können. Nach “Botchit Breaks
1 + 2” sowie dem Sampler “United Breaks Nation” sorgt Botchit & Scarper jetzt
für einige neue Releases aus dem Jahr 2001: Neben T-Power's Album “Long
Time Dead” erschien Anfang April eine EP des Duos “Backdraft”, die bereits 1996
mit Releases auf Flex Recordings und Prohibition Erfolge verzeichnen konnten.
Auf dieser EP bringen die beiden eher ihre dubbige Downbeat/Breaks-Seite zum
Ausdruck.
Ende März ist auf Botchit & Scarper außerdem eine Compilation
erschienen, namens “Urban Funk Breaks II”, welches das bisher zwölfte Album
des Labels darstellt und eine Kollektion von bisher nur auf Vinyl erschienen
Tracks ist, mit zwei exklusiven Veröffentlichungen sowie einer Extra-Mix-CD
von Klaus, der besser unter dem Pseudonym “Tek-Ed” bekannt ist, dessen zweite
Producer-Hälfte wiederum ein Teil der Renegade-Hardware-Combo “Usual Suspects” ist.
Soweit so gut.
Neben Tracks von T-Power featuring Amaziree, befinden sich Stücke von Aquasky
vs. Master Blasters, B.L.I.M., FreQ Nasty und Jason Sparks auf dem Sampler. Besonders
interessant erschien mir dabei der Track “999” von Aquasky vs. Master Blasters,
der zwar im Breaks-Bereich anzusiedeln ist, jedoch aber massive Bässe und
tragende Melodien aufzuweisen hat. Weiters stellt “Natural Born Shaker” von Jason
Sparks einen durchaus interessanten Track dar – mit den Vocoder-Stimmen und den
kaum enden wollenden Melodien bis der darke Electro-Beat einsetzt, ist er mehr
als gelungen. Auch der Remix von FreQ Nasty's Hit “Underglass” ist aufregend
gestaltet und auf jeden Fall hörenswert. Mit diesem Sampler ist auf Botchit & Scarper
ein Release rausgekommen, das sich hören und sehen läßt. “Cliché or
no Cliché, This music is the future now....” lautet der letzte Satz ihrer
Presse-Info. Wie wahr er ist, muß der Leser hier schon selbst rausfinden.
Text: Barbara Wimmer aka Shroombab[1] (Juni
2001)
Der Text erschien im Juni 2001 im Breakbeat Magazin und wurde future-music.net
freundlicher Weise zur Verfügung gestellt. URL dieses Dokuments:
http://www.future-music.net/stage/features/2001-06_t-power/