Der Job der MCs macht sicher keinen unwesentlichen Teil
des DrumnBass-Biz aus. Wie auch DJs produzieren viele MCs eigene Tracks und
können locker
50 Prozent eines gelungenen Clubabends ausmachen. Dennoch genießen die „Masters
of Ceremony“ häufig einen geringeren Stellenwert, als ihre plattendrehenden
Kollegen. Zeit also, sich eingehender mit dem vocalen Part der Breakbeat-Riege
zu beschäftigen. Ganz vorne mit dabei, der Londoner MC Skibadee. Kein
Jungle-Urgestein zwar, doch nahezu weltweit eine Größe, die für
weitaus mehr steht, als für exzellentes DrumnBass-MC-ing.
1994 begann die zu dieser Zeit noch nicht vorhersehbare Karriere des heute
26-jährigen, gebürtigen Londoners. Mehr zum Zeitvertreib, als mit
dem Ziel, daraus einen Beruf zu machen, unterlegte der damalige Wirtschafts-Student
zuhause Ragga- und Hiphopbeats mit ersten Rhymes. Herzlich wenig begeistert
war Skibadee, als er 1993 sein erstes Jungle-Tape hörte. Als zu schnell
empfand er diese Musik, die nach und nach zum „big thing“ werden sollte.
Doch
schon bald sollte sich diese Einstellung ändern. Ein Schlüsselerlebnis
stellte der „Valentines Roast“, ein Rave im West-Londoner Astoria, dar. Überwältigt
von der Mischung aus Licht, Nebel, drückenden Beats und vor allem den
beeindruckenden Aktivitäten der MCs auf der Bühne, hatte sich Skibadees
Meinung zu Jungle von hier auf jetzt grundlegend gewandelt. Über die Londoner
Piratensender, deren Jungleprogramme er zuhause auf Kassette mitschnitt, kam
er an das heiß ersehnte „Material“ zu dem er üben konnte, denn er
hatte weder Kontakte zu DJs, noch zu Promotern oder anderen MCs.
Den steilen Aufstieg von A.C. Bond, so der richtige Name, zu MC Skibadee beurteilt
er selbst bescheiden als eine Reihe glücklicher Zufälle und den Umstand,
zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein.
Wie viele andere bekannte DJs und MCs begann Skibadee bei einem Londoner Radiosender,
erste Live-Erfahrungen zu sammeln. In diesem Fall „Crystal F.M.“, welcher ihm
bereits nach seinem ersten Auftritt eine regelmäßige Wochenendshow
anbot. Skibadee nahm an und arbeitete dort ab dieser Zeit mit den DJs „Switch“ und „Pie
man“ zusammen.
Doch bereits sechs Monate später schloß der Sender mangels ausreichender
Finanzen seine Pforten.
In diesem halben Jahr genügend Kontakte gesammelt, bekam Skibadee bereits
kurze Zeit darauf neue Angebote, zu MC-en. Mit Namen wie „D.Jungles“, „Ashattack“ oder „Fearless“ spielte
er auf Partys wie „Spirit of the Jungle“ in der „79 Bar“, seinem damaligen
Resident-Club, „Thunder & Joy“ und verschiedenen anderen. Durch die Auftritte
ergaben sich immer neue Verbindungen zu DJs und Promotern, welche zu weiteren
Auftrittsmöglichkeiten führen sollten. Durchaus förderliche
Bekanntschaften eben.
„DJ Wildchild“ war es, die ihn in ihrer Sendung auf Kool FM unterbrachte -
von drei bis fünf Uhr morgens. Ein undankbarer Sendeplatz zwar, doch der
Job bei Kool FM erwies sich quasi als „Lotteriegewinn“ im Jungle-Biz, durch
welchen sich immer weitere Kontakte und Bookings ergaben.
Den ultimativen Durchbruch brachte das Jahr 1997 mit sich, in welchem Skibadee
auf Raves wie „Jungle Mania“, „Telepathy“, „One Nation“, „Roast“ oder „Exposure“ auftrat.
Sein Name war zu dieser Zeit bereits ein absolutes „Aushängeschild“ geworden.
Bereits ein Jahr zuvor hatte Skibadee begonnen, mit „DJ Kane“ Länder
wie Deutschland, Schweiz, Amerika und Russland zu bereisen – im Auftrag der
gebrochenen Beats.
Bis zu acht Auftritte in einer Woche hatte der hyperaktive und in seinem Enthusiasmus
und Schaffensdrang kaum zu bremsende MC zwischen 1997 und 1998. In dieser Zeit
kam auch die Zusammenarbeit mit „MC Dret“ zu Stande, mit dem Skibadee sich
einige „Back to Backs“ auf verschiedenen Raves lieferte. Die beiden entschlossen,
da sie sich gegenseitig sehr gut ergänzten, von nun an gemeinsam aufzutreten.
Keine
Frage, Skibadee hat es geschafft, innerhalb kurzer Zeit die Entwicklung von
DrumnBass durch immer neue Styles, Einflüsse und ein natürliches,
nicht auf schnellen Ruhm und Geld abzielendes Engagement zu beeinflussen. 1999
gewann er den „Knowledge Award“ als bester MC und wurde im vergangenen Jahr
bei einer Umfrage des Englischen Online Magazins „Drum&Bass Arena“ zum
besten DrumnBass-MC gewählt.
Eine hohe Auszeichnung, insbesondere für jemanden, der nicht zur DrumnBass-Riege
der ersten Stunde zählt. Aber auch das Resultat langer, harter Arbeit
am eigenen Stil und dessen ständiger Weiterentwicklung aus Idealismus
und der Liebe zur Musik – vielschichtig und nicht ausschließlich zu DrumnBass.
Skibadee ist als MC auf dem neuen Album des Londoner Duos „Pressure Drop“ vertreten
und hat mittlerweile seine eigene Company, „Platinum Performers“ gegründet.
Und auch von den Produzenten-Fähigkeiten des Multiinstrumentalisten, der
als Jugendlicher unter anderem Schlagzeug spielte und bereits mit 13 Jahren
zwei Synthesizer besaß, wird man noch so manches zu Hören bekommen.
Text: Feindsoul (drumandbass.de) (März
2001)
Der Text erschien im März 2001 im Breakbeat Magazin und wurde future-music.net
freundlicher Weise zur Verfügung gestellt. URL dieses Dokuments:
http://www.future-music.net/stage/features/2001-03_mcskibadee/