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Nookie


Gavin Cheung alias Nookie, Claud 9, Second Vision und New Balance kann schon auf zahlreiche Produktionen für Labels wie Moving Shadow, Reinforced Records oder Good Looking zurückblicken, ohne daß er bisher im Rampenlicht des Geschehens stand. Jetzt hat er mit Good Looking einen längerfristigen Vertrag abgeschlossen und bringt Anfang nächsten Jahres in Japan ein Album bei Sony heraus. Nach zehn Jahren im Musik-Business steht der bis jetzt immer im Schatten von Bukem Agierende hiermit vor seinem großen Durchbruch. Grund genug für uns, um sich mit seinem Werdegang zu beschäftigen ...

Gavin Cheung hat sich schon während seiner Schulzeit sehr intensiv mit Musik auseinandergesetzt. Mit seiner Hip Hop-Band "Illegal Pressure" nahm er in seinem Wohnzimmer Demotapes auf, die auch auf Radio London gespielt wurden. Gavin begann sich daraufhin immer mehr für die produktionstechnische Seite zu interessieren und studierte an der Universität zwei Jahre Computertechnologie. Zur selben Zeit etwa begann er, in einem Acid-House-Plattenladen in Soho (ehemalige Red Records) zu arbeiten.

"Es hat mir sehr geholfen, dort zu arbeiten, weil ich eine Menge DJs kennenlernte, die in der Szene sehr wichtig waren. Paul Oakenfold, Paul Anderson, Grooverider und Fabio gingen in dem Laden ein und aus und es tat gut, mit ihnen und auch den Promotern zu sprechen."

Nach einer kurzen Phase in der er als DJ tätig war und sich bereits in der Szene etabliert hatte, konzentrierte er sich jedoch vorwiegend auf das Produzieren von Musik.

Seine erste Produktion, die aufgrund ihrer Eigenständigkeit sofort Anerkannung erfahren hat, war ein Ragga/HipHop-Remix von Ninjaman's "Zig It Up" in 1989. Wenig später verfiel Gavin dem Breakbeat Hardcore und nützte seine Funktion im Plattenladen, um sich von den neuesten Sounds beeinflussen zu lassen. "Ich bin eine Person, die nicht daran interessiert ist, nur eine Art von Musik zu machen. Meine Inspiration kommt von so vielen verschiedenen Styles und Einflüssen. Ich kann alles hören, so lange es für mich gut klingt. Das kann genauso Hip Hop, Soul oder House sein."

Produktionen für Absolute 2 Records sowie das Underground-Rave-Anthem "Give a little Love" oder "The Sound of Music" für Reinforced Records waren stark beeinflußt von den neuen Sounds, die er täglich im Plattenladen zu hören bekam. Für Moving Shadow produzierte Gavin zwei Tracks ("Snow"/"Jazzmin"), bei denen er zum ersten Mal einen realen Jazz-Double-Bass einsetzte. Auch sein Status als Remixer wuchs enorm, was auf seine Interpretation von Goldie's "Inner City Life" zurückzuführen ist. Innerhalb der Szene halfen ihm DJs wie Grooverider, LTJ Bukem und Ray Keith, seine Arbeit zu promoten. Gavin produzierte auch zahlreiche Tracks für LTJ Bukem's Good Looking Records. Unter den Pseudonymen New Balance und Second Vision entstanden z.B. zwei Tracks namens "Reflections" und "The Italian Job".

Manch böse Zungen behaupten, daß Gavin nur chillige, relaxte Tracks zustande bringt, aber er selbst läßt sich nicht von diesen Kommentaren beeinflussen.
"Ich produziere großteils schon sehr ruhigen Stuff, aber auf Penny Black z.B. habe ich mal etwas Härteres rausgebracht. Im Studio mache ich immer das, was mich gerade beeinflußt, egal ob es hart oder soft ist – es muß vor allem musikalisch sein. Musik ist doch in Wirklichkeit ein Geisteszustand. Es muß ausdrücken, wie du dich innerlich fühlst. Du versuchst nur, diese Gefühle in deiner Musik auszudrücken. Wenn ich z.B. gerade einen schlechten Tag habe, kann mal ein dunkler Track dabei rauskommen."

LTJ Bukem hat seinen Schützling neben Producern wie Blame, Blu Mar Ten, Big Bud oder PHD jetzt fix bei Good Looking Records unter Vertrag genommen. Die durchgehende musikalische Linie mit jazzigen Elementen und einzigartigen atmospährischen Flavours ist dabei das Erkennungsmerkmal von Good Looking. Vor kurzem erschien auch eine EP featuring Nookie, Intense und Lacarno. Nookie steuert dabei die Tracks "Lost File" und "Leviation" bei, die von atmosphärischen Klängen, rollenden Sub-Bässen sowie verspielten Fretless-Bass-Lines begleitet werden und dem Good Looking Sound mehr als nur gerecht werden.

Für Anfang nächsten Jahres sind derzeit zwei Alben von Gavin geplant. Das erste Werk entstand in Zusammenarbeit mit der House-Legende Larry Heard aka Mr. Fingers, welches über Freunde zustande kam. Larry's Vocals passen perfekt zu Nookie's melodischen und emotionellen Arrangements und man darf schon gespannt darauf sein. "Es ist etwas, was bisher noch niemand gemacht hat. Außerdem ist es total neu für beide von uns, aber ich glaube, er mag den Sound, den ich produziere. Wenn er nicht davon überzeugt wäre, hätte er sicherlich nicht zugestimmt, daß ich seine Vocals verwende," meint Nookie. Das zweite Release wird unter dem Namen Cloud 9 erscheinen und wird in Japan über Sony vertrieben. Auch hierbei werden viele Vocals zu hören sein, denn die Japaner sowohl wie Gavin lieben die Verwendung von Vocals. "Wir haben da diesen Gospel-Chor... 20 verschiedene Sänger werden auf dem Album beteiligt sein. Sie haben allesamt sehr mächtige, kräftige Stimmen, die eine Menge Emotion in die Vocals bringen."

Bei allem, was Nookie schon erreicht hat, ist es wirklich verwunderlich, daß er bisher kaum im Rampenlicht stand. Er selbst meint dazu: "Ich bin schon glücklich, wenn das, was ich mache, mir selbst gefällt! Wenn es jemand anderer auch noch gut findet, ist das schon ein Bonus. Ich glaube aber, daß in Wahrheit jeder Producer davon träumt, daß so viel Menschen wie nur möglich seine Musik hören."

Das ist unter anderem auch ein Mitgrund für Nookie, warum er so selten auf Singels zu finden ist. "Wenn du eine größere Publikumsschicht ansprechen willst, mußt du Alben herausbringen. Ich produziere so viele Sounds im Moment, daß es lächerlich wäre, wenn ich die alle auf Singles herausbringen würde. Außerdem steckt in Singles viel weniger Profit drinnen. Wenn man davon 1000-1500 verkauft, ist das schon viel. Das ist unter anderem auch ein Grund, warum ich lieber Alben und EPs herausbringe."

Wir werden sicherlich noch merken, ob Nookie die Gelegenheit nützt, sich mit den zwei neuen Alben an eine breitere Käuferschicht zu wenden, oder ob er auch weiterhin im Underground bleiben wird.

Text: Barbara Wimmer aka Shroombab [1] (Januar 2001)
Der Text erschien im Januar 2001 im Breakbeat Magazin und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.


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