URL: http://www.future-music.net/events/review/2010-11-26_jungle-club/ Zurück zur normalen Ansicht

9 Years Jungle Club @ Jazzhaus, Freiburg




Veranstaltung: 9 Years Jungle Club  
Datum:   26.11.2010  
Location:   Jazzhaus  
Stadt:   Freiburg  
DJs:   Logistics, Tao, Spitfire, Netto, Kaos System  
MCs:   Deeizm, Fava, Resc  


Bilder von 9 Years Jungle findet Ihr in der Gallery [1]

Review von Phil

Bereits zum 9. Mal jährte sich das Jubiläum unserer Eventreihe “Jungle Club”. Junge Junge, ganz schön viel Zeit ist vergangen seitdem. Alle sind älter geworden, ja – auch die Musik – die Zeit wurde knapper, die Motivation lies auch mal zu wünschen übrig zwischendurch – mit vielseitigen Problemchen hatte man immer wieder zu kämpfen. Aber das ist wohl normal in einer langen „Beziehung“ wie dieser! Das größte Problem, im Vergleich zum Geburtstag des Vorjahren, war sicherlich, dass wir unsere Location „Palladium“ im Mai verloren hatten und bis September ohne Location auf der Suche waren nach etwas geeignetem. Zwar wurden wir fündig mit der KGB Bar Freiburg, haben hiermit aber eine Stätte mit begrenzter Kapazität – und zum Geburtstag will man es ja richtig rumpeln lassen!

Hieraus entstand die Ideen, nach ganzen 5 langen Jahren wieder für eine unvergessene Nacht in die Ursprungsstätte des Jungle Club zurückzukehren – das Jazzhaus Freiburg. Von Anfang an waren alle Beteiligten sofort Feuer und Flamme für diese Idee – also ging es los! Nach anfänglichen Booking-Schwierigkeiten wurde mit Logistics vom allseitsbekannten Label Hospital eine gestandene Größe der Szene verpflichtet. Als Schmankerl kam dann noch Deeizm MC hinzu, welche ihr Debut in Freiburg spielte.

Die Vorbereitungen für das besondere Happening liefen i.d.R gut – die Flyer und Plakate waren zeitgerecht fertig, ein Artist-Interview wurde beantwortet etc. Die Aufmerksamkeit der Medien war auf unserer Seite, was wichtig ist in einer Stadt wie Freiburg. Als sich der Tag auf den wir wochenlang hinfieberten dann endlich näherte ging es los: SCHNEE! Der Winter rollt übers Land – ohne Gnade. Nicht wirklich förderlich für eine Party, zu der man auch gerne Leute vom Freiburger Umland und anderen Städten begrüßen mag zu einer Location mit einem erheblichen Fassungsvermögen wie das Jazzhaus.

Als ich mich selbst auf den Weg machte die 2 Engländer vom Flughafen KA abzuholen am Freitag Abend, war das Wetter hundsmiserabel. Schneefall, Wind, Eiseskälte. „Hoffentlich kommt der Flug auch planmäßig an“, dachte ich mir auf der Fahrt. Ich bekam keinen Anruf von der Agency, oder sogar von einem der Künstler selbst – also sollte eigentlich alles klar gehen. So war es dann Gott sei Dank auch – beide kamen im selben Flieger überpünktlich in KA an. Allerdings war das bereits recht spät – 21.10 Uhr. Die Party in Freiburg beginnt um 23 Uhr, vorher wollte ich eigentlich noch mit den Artists essen, ihnen kurz den Club zeigen und dann ins Hotel bringen. Tja, da machten uns die Witterung und die ätzenden Baustellen auf der A5 gehörig einen Strich durch die Rechnung. 1,5 Stunden auf der Autobahn bis Freiburg bedingten, dass sämtliche Pläne über den Haufen geworfen wurden. Beide waren so erschöpft, dass sie direkt ins Hotel wollten und später einen Snack dort einnehmen. Nun gut, so blieb Zeit für mich noch vor 23 Uhr in den Club zu kommen – das war mir auch recht – denn dort liefen die Vorbereitungen. Deeizm´s Angst auf der Fahrt war süss – sie sagte, sie sei eine sehr gute Fahrerin aber eine entsetzliche Beifahrerin hehe. Im Laufe des Wochenendes wuchs ihr Vertrauen in meine Fahrkünste – aber dazu später mehr!

Im Jazzhaus angekommen stand DJ Tao schon an den Decks und machte sich bereit für sein erstes Set an einem Jungle Club nach 5 Jahren Abstinenz! Verrückt, genau vor 5 Jahren spielte er am selben Ort zuletzt als Support von Goldie. Die Zeit vergeht – unglaublich! Tja, und langsam stieg auch die Spannung: Wie viele Leute würden sich für das heutige Event interessieren und vor allem, wie viele Leute würden, von dem Wetter abgeschreckt, zu Hause bleiben. Zuvor spielte eine halbwegs befreundete Band im Jazzhaus. Diese Location fährt meist Zweigleisig an einem Abend, bis 22.30 Uhr Konzert – danach ab 23 Uhr Club-Betrieb. Die Leute die das Konzert besuchen dürfen jeweils im Club verweilen. So hatten wir von Anfang an ca. 100 – 150 Leute im Laden die von Anfang an feierten. Natürlich eine gute Sache – aber auch ein zweigleisiges Schwert natürlich. Diese Gäste zahlen nämlich keinen Eintritt – und zahlende Gäste sollten nicht gerade wenige kommen um unsere Unkosten zu decken. Der Break-Even war überdurchschnittlich hoch, nicht zuletzt da eine ordentliche Miete fällig ist für den Club.

Im Verlauf des Abends zeichnete sich allerdings ab, dass wir uns um den finanziellen Aspekt keine Sorgen machen mussten. Die Leute kamen – und sie feierten! „DJ Kaos System“ übernahm nach dem kultigen Opening Klassiger-Set von „Tao“ das Ruder. Unterstützt wurde der junge, talentierte DJ von seinem Partner am Mic „MC Resc“. Beide sind sozusagen Neuzugänge im Rennstall von Breakbeat Movement und machen einen sensationell guten Job – BIG UP! Mit dem MC am Mic stieg die Stimmung konstant und so war die Party schon ordentlich am Laufen, als „Netto“ b2b „Spitfire“ longside „MC Fava“ auf die Bühne traten. Zu diesem Zeitpunkt war der Laden schon wirklich ordentlich gefüllt und die Tanzfläche am kochen.

Partysound, schön abwechslungsreich serviert, war die Devise und die 2 DJs hielten sich an die Abmachung hehe. Am Mic hatte ich keine Probleme warm zu werden – die Leute waren schon dermaßen am Start, dass wir auf der Bühne in windeseile richtig Spaß hatten! Kurzerhand wurde die Bühne auch gleich von ca. 30 – 50 Gästen in Beschlag genommen und man feierte, wie vor 5 Jahren zuletzt Seite an Seite im gesamten Laden. Heftige Gefühle kamen dabei in mir hoch. Lange war es her und viele Erfahrungen und Eindrücke passierten Revue in meinem Hinterkopf. Aber dafür blieb eigentlich keine Zeit – denn die Party brannte! Und das musste sie auch, schließlich bereitete man den Boden für Logistics – und das bei 9 Jahre Jungle Club – BOOOH! Der wahnsinnig sympathische Engländer ging mit der Lady pünktlich um 2 Uhr auf die Bühne. Um einen reibungslosen Einstieg für beide zu gewährleisten wurde die Stage kurzerhand vom Feiervolk befreit.

Dann ging die Reise los. 2,5 Stunden Logistics & Deeizm MC lagen vor uns. Denn Matthew wollte bis zum Ende spielen, so direkt seine Ansage beim Abholen am Flughafen. Beide machten prinzipiell alles richtig – denn die Stimmung stieg weiter – und der Laden füllte sich sogar noch weiter. Letztendlich feierten über 500 Drum´n Bass Begeisterte das 9. Jubiläum. Logistics spielte einige neue Tunes, die auf seinem kommenden Album erscheinen werden. Insgesamt spielte er sehr abwechslungsreich und fügte selbstverständlich sämtliche Klassiker in sein Set ein. Auch Deeizm machte ihren Job gut. Sie kann klasse hosten, hat coole Raps auf Lager und hat zusätzlich natürlich ihre Stärke des Gesangs. Allerdings ist sie in meinen Ohren kein MC für mehrere Stunden. Diese Meinung spiegelte sich auf Seiten der Crowd wieder und so flachte die Stimmung mit der Zeit etwas ab. Deeizm ist einzigartig, sie hat ihren eigenen Stil und eine unverkennbare Stimme, aber manchmal passt mir ihr gequieke nicht. Wie dem auch sei – sie ist sehr cool und insgesamt eine top Frau am Mic. Trotzdem fand ich es aus obigen Gründen mit Verstreichen der Zeit angebracht, die Lady zu unterstützen. Logistics stärkte meine Entscheidung mit mehreren Gesten und so gab es die letzten 45 Minuten des Abends Deeizm back 2 back Fava. Insgesamt tat die Abwechslung gut und die Leute wachten nochmals kräftig auf.

aGegen 4.30 Uhr ging das Licht das erste Mal an. Wie in alten Zeiten wurde es für die Zugabe doch nochmals abgedreht – YEAH! Das kommt immer sehr gut an bei den Leuten und setzt nochmals die letzten Kräfte frei! Insgesamt zufrieden gingen alle Beteiligten aus dem Laden. Noch schnell wie immer zum Bahnhof, 2 Fleischkäs-Weckle und ein Kaffee und los gings Richtung Bett. Matt und Shelley wollten direkt ins Hotel. Haha, der Gag am frühen Morgen fehlte aber noch: An meinem Auto waren alle Türen zugefroren. Kein Problem wenn man ein Feuerzeug einstecken hat und die Tür aufheizen kann, so dass der Schlüssel wieder reingeht. Tja, Pech hat man dann, wenn einem der Gast-DJ das Feuer abzieht hehe. Gott sei Dank ging die Kofferraumtür auf, und so zwängte ich mich hinten rein und verletzte mir noch unnötigerweise die Nase dabei hehe.

Als ich beide am nächsten Tag um halb 2 am Hotel abholte war der Plan klar: Schnitzel reinpfeifen und schleunigst auf den Weg zum Flughafen – denn dieser war leider Gottes Frankfurt Hahn – 330 Km Fahrt – uffz! Als ich Logistics buchte hieß es, er muss zeitig wieder in Lodon sein da er einen Gig hat am Samstag. Daher diese wahnsinns-Aktion mit Frankfurt Hahn. Alle anderen Flüge waren entweder zu spät ode zu früh. Toll das Matthew letztendlich doch keinen Gig hatte am Samstag – alles total unnötig sozusagen – FUCK! Aber na ja, wir sind ja hart! Doch erst einmal gut Essen. Haha, und das machten wir auch! Alle Restaurants die wir ansteuerten waren dermaßen zugeparkt, dass ich vorschlug, erst einmal ein Stück zu fahren mit den Beiden. Aus irgendeinem Grund fuhr ich bei Freiburg Lehen, einem Vorort wieder ab. Klar, der Gedanke dahinter: Außerhalb von Freiburg ist nix los und wir können locker parken. So war es auch, jedoch war das erste Gasthaus gleich mal geschlossen. Hmm, und die Zeit rannte uns weg – denn die Fahrt war eeeewig weit nach Hahn und man musste Stau und Umwege einkalkulieren. Gott sei Dank gibt es in Lehen etwa 1000 Gasthäußer, also direkt das nächste Angesteuert. „Hirschen“ hieß das gute Haus – und es war verdammt gut, wie wir noch merken sollten. Ich fühlte mich gleich seltsam als wir die Beiz betraten. Kellner mit Namensschildern, recht vornehme Tischdekoration, etc. Na ja, im Anbetracht der Zeit schnell hingesessen und Getränke geordert. Bevor wir die Karte erhielten begrüßte uns schon der Küchencheff persönlich – spätestens da war mir klar: Es war keine gute Idee in den Hirschen zu gehen haha. Wir saßen unwissentlich in einem 4 Sterne Hotel-Restaurant – DAMN! Egal, die Sache wurde durchgezogen. Jedoch verzichteten Beide freundlicherweise auf das Schnitzel, denn dieses hätte 18 Euro gekostet hehe. Wir nahmen alle Rösti mit Pilzragout für geschlagene 10 Euro. Es war wahnsinnig gut – trotzdem wird mich der Hirschen nie mehr sehen haha.

Der nächste Schock sollte nicht lange auf sich warten lassen. Ferkehrsfunk an – Nachrichten – Stau auf der A5! Klar, dachte ich – das geht ja schon seit Monaten so und wird auch noch Jahre lang gehen. Gott sei Dank hatte ich mitgedacht und eine Alternativ-Route über Frankreich ausgedruckt. In Appenweier verließen wir das gottlose Deutschland und rollten locker über eine komplett leere französische Autobahn. Allerdings kostete der Spaß immens Zeit. Wenigstens spielte das Wetter mit – kaum Schneefall auf dem Weg – zumindest auf dem Hinweg hehe. Insgesamt kamen wir gut durch und steuerten mit einer halben Stunde Puffer FFHahn an. Noch kurz in den anliegenden Burger King und das Schnitzel wieder gut machen und gut ist, dachte ich. Plötzlich ein Schock, Deeizm sucht ihren Geldbeutel. Was ist los? Ich durchkämpfe den Rücksitz und schaue unter dem Fahrersitz – nichts zu finden. Hmm, da die Idee: Hat sie ihn vielleicht an der Raststätte liegen lassen, an der wir vorhin hielten? Um Gottes Willen.... Da ich dort getankt hatte, hatte ich den Tankbeleg im Geldbeutel. Darauf war wirklich die Telefonnummer der Raststätte angegeben und ich rief an. JA, sie haben den Geldbeutel gefunden. Darin: ihre Gage und weiteres Geld, ihre Visa Karte und ihr Ausfahrticket für den Parkplatz in London hehe. Uglaublich! Gott sei Dank hatte die Gute ihren Ausweis bei sich, sonst hätte sie den Rückflug überhaupt nicht antreten können!

Nun ja, ich hatte den Flughafen Hahn noch aus einem anderen Grund gewählt – da ich am Abend einen Gig in Mannheim hatte, konnte ich direkt vom Flughafen weiter fahren und musste sozusagen eh schon Abends in diese Richtung. Nun musste ich aber auch nochmals ein gutes Stück zurück fahren um Deeizm´s Geldbeutel von der Raststätte zu holen – wahnsinn. Aber egal, denn ich war überglücklich das die ehrlichen Leute vom Rasthof das Ding gefunden hatten und wirklich nichts darin fehlte. Nach geschlagenen, isgesamt 7 Stunden Reise kam ich an meinem Samstag Abend Gig an – und gönnte mir erst mal noch einen Döner in der Stadt, bevor ich wieder für ca. 4 Stunden ans Mic ging – war für ein abartiges Wochenende – aber was für eine unvergessene Nacht und Heimreise mit Logistics und Deeizm MC! Auf weitere 9 Jahre Jungle Club und weitere solcher bleibenden Erlebnisse!



URL dieses Dokuments:
   http://www.future-music.net/events/review/2010-11-26_jungle-club/

Links:
   [1] http://www.future-music.net/stage/gallery/2010/2010-11-26_jungle-club/



© 1995-2017 Future & www.future-music.net