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Meditation 2 - The second Jungle-Chapter


Veranstaltung: Meditation 2 - The second Jungle-Chapter  
Datum:   21.10.1995  
Location:   Walzmühle, Ludwigshafen  
Stadt:   Mannheim  
DJ's:   DJ Rap, Peshay, Bryan Gee, Mickey Finn, LTJ Bukem, DJ SS, Suck MD, Deejay E, Bassline Generation feat. Funky Drummer Alex  
MC's:   GQ, Conrad, Navigator, Warren Gee, Eddy "Freeze", C  


Review aus Spex Magazin 1995

Eigentlich war der Besuch der Mannheim/Ludwigshafener Jungle-Szene lange überfällig. Im Mannheimer "milk!" funktionierte Breakbeat bekanntlich zum ersten Mal als Club-Sound und Bassface Sascha, einer der Resident-DJs, startete mit Smokin' Drum eines der ersten Label. Im "Vibration Club" hatte die Bassline Generation lange vor dem Hype die gesamte Bruderschaft von Fabio bis Rap zu Gast.

Wenn ich mit Junglisten aus Berlin, Hamburg oder München über die Clubsituation sprach, hatte jeder von den sagenhaften Riesenraves im Süden gehört. Doch Genaues wusste keiner meiner Informanten und so organisierte ich anlässlich des Meditation Raves am 21. 0ktober 1995 in Ludwigshafen die erste Party-Fahrgemeinschaft seit langem, um auf meine alten Tage mein erstes Rave Review zu verfassen.

Wir trafen gegen 0 Uhr in der Walzmühle ein, einem aus dem House-Zusammenhang bekannten Ort. Bryan Gee von V Recordings war bereits mitten in einem bretterharten Set und der Tanzraum, der mich an das Kölner Rhenania erinnerte, war gut gefüllt und zugenebelt.

Zwar war mir die Techno-Connection der süddeutschen Breakbeat-Fans geläufig, doch als sich das Trockeneis für einen Moment verzog, musste ich doch staunen: um mich herum nichts als Teenie-Raver mit Schlapphüten und Graffiti-Shirts, die den Känguruh-Boogie in Realzeit tanzten und dabei vereinzelt rudimentäre Breaker-Steps ausführten. Eindeutig Techno-sozialisiert benahmen sich die Kids so, wie sich "verstrahlte" Raver nun einmal benehmen, nur dass eine andere Musik dazu lief. Verglichen mit den englischen Jungle-Ravern, die diese B-Boy-hafte Hier-bin-ich-und-ich-bin-wer-Attitude drauf haben, sind die süddeutschen Fans Hänger vor dem Herrn, die unglaublich schlaff in ihrem XXL-Shirts vor sich hin schlacksen.

Auf Bryan Gee folgte Peshay, mit dem für mich besten Set des Abends: Gebackt von den MCs GQ und Conrad war seine Selection super-deep und mellow. Sein Mix total sophisticated und mitunter schwierig. Ein Höhepunkt: sein brandneuer Remix von "Inner City Life".

Die Kommunikation zwischen DJ/MC und Tänzern aber war minimal. Kein Lighter, kein Rewind, kein Gar nichts. Wesentlich vertrauter schien die Crowd mit dem Sound der Bassline Generation zu sein, die ihre PA mit allerlei Variete-Einlagen würzten, die eigentlich total beknackt waren, aber voller Inbrunst performt wurden. Respekt.

DJ SS (kurz für "Scratchin Stein") ging anschließend direkt in die Vollen und blieb dort für die gesamte Länge seines Sets: etwas zu anstrengend. Zwar kann ich seinen Simple-Bass-Style grundsätzlich gut leiden, doch verpufft die Energie ziemlich schnell, wenn man kontinuierlich im roten Bereich fährt.

Die Überraschung des Abends war für mich LTJ Bukem, der genau wie Rap und Mickey Finn eine treue Anhängerschaft im Süden hat und seine Pappenheimer offensichtlich kennt. Der Flow, die Strings und die langen Spannungsbögen, alles war da, nur spielte Bukem einen sehr viel härteren Sound, als man von "„Good Looking" und "Looking Good" gewohnt ist. Kongenial begleitet von MC Conrad.

Für uns war der Abend damit gelaufen, und wir setzten uns mächtig beeindruckt in Richtung Norden ab. Wie man hörte, sollen DJ Rap und Mickey Finn noch tierisch abgeräumt haben. Interessant, welchen Weg Jungle im Süden geht, für mich als Clubtyp aber bleiben Raves eine fremde Welt und Ecstasy die falsche Droge.

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