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Cityreport - Frankfurt, März 2005


Frankfurt am Main: Die Stadt mit den imposanten Wolkenkratzen der Banken und Versicherungen aus aller Welt und dem Flughafen Rhein-Main als Drehscheibe im Europäischen Flugverkehr hat auch im Clubsektor Einiges zu bieten. Lange Zeit als die Technometropole gehandelt, entwickelte sich im Schatten der vielen, auch über die Region hinaus bekannten Technoclubs und -DJs eine aus dem Underground kommende, mittlerweile weitverzweigte Community von Drum & Bass Veranstaltern, DJs und Labels, die in diesem Bericht beleuchtet werden soll.

FFM-Historie: XS, Dorian Gray, Box, ...

Die gesamte Drum & Bass/Jungle-Szene in Frankfurt begründet sich ohne Zweifel auf den Freitag im XS Club am Theaterplatz, der einmal als Frankfurts Wohnzimmer für x-tra ordinary, S-exy Clubbing gedacht, diesem damals brandneuen Sound seit 1992 eine Plattform bot. Die Milk!-Posse um die Mannheimer DJs Bassface Sascha und Groover Klein feierte hier jeden Freitag den neuen Sound von der Insel ab und etablierte somit den Drum & Bass in Rhein-Main.

Die Krönung fand die Bewegung dann in den Euphoria Raves im Dorian Gray am Flughafen, wo ab 1994 mit riesigen Line-Ups von fast allen DJ-Grössen aus England legendäre Raves stattfanden. Nach den unvorhersehbaren, aber wohl unvermeidbaren Schliessungen des XS und des Dorian Gray gab es dann aber auf einmal keinen Club mehr, in dem regelmässig Drum & Bass lief und so beschränkte sich die Szene zwischen 1995 und 1998 meist auf illegale Underground-Parties, u.a. in den Michael Barracks in Höchst, dem Space Place, dem Exzess, oder diverse One-Offs in Locations wie dem TAT und auch in dem einen oder anderen etablierten Club, aber auch open-air unter Brücken am Mainufer oder auf den diversen Nachttanzdemos. Öfter fuhr man in dieser Zeit auch zum ausgelassenen Feiern in die Mannheimer Region.

Aus der "XS-Generation" kamen viele der heutigen Szeneleute, die eigentlich immer aktiv waren und auch ohne einen wöchentlichen, festen Club den Drum & Bass am Leben hielten. Im Nachfolgeclub des XS, der "Box" machte z.B. Hannibal seine Homebase Parties, wo auch regelmässig Engländer wie DJ Hype zu Gast waren. Und auch Stefan Enders sorgte für einen längeren Zeitraum mit der Temptation Reihe für Aufsehen, die hauptsächlich im neuen Gallus-Theater aber auch im Monza stattfand.

Einen festen Abend bekam dann die Precision Posse im Nachtleben unter der Konstablerwache, wo samstags Kabuki und Miguel Ayala die Platten drehten. Auf die History des Drum & Bass in Frankfurt wird demnächst noch in einem extra Bericht eingegangen.


Clubs & Events

Internationalen Standard haben die Bookings der Space Breaks [1] Reihe im Tanzhaus West, dem ehemaligen Space Place.

Die monatliche Clubnight der DJs Simon, Neon und Stefan Enders setzt auf grosse Namen des Bizz, so konnte man in der letzten Zeit keine Geringeren als Flight, Storm, Goldie, Bailey, Marky, High Contrast, MC Dynamite usw. begrüssen. Im Februar feierte man mit DJ Hype das 5-jährige Bestehen. Und weitere grosse Bookings sind für 2005 in Planung. So watch out.

Die Precision Crew macht die monatliche Veranstaltungsreihe Fuel im Offenbacher Robert- Johnson, bei der sich die Residents Chopper, Miguel Ayala, Kabuki, MC Ronin und MC Glacius regelmässig ihre nationalen und internationalen Wunschgäste an die Decks holen, die sich für sie als würdig erweisen. Das Robert-Johnson ist wohl einer der schönsten Clubs, der mit seinem grossem Balkon auch in heissen Sommernächten zum gepflegten Feiern einlädt.

Nachdem Mitte 2004 die Fresh-Reihe der DJs Mad Vibes und Alex Crack in der O25, der Ostparkstrasse 25, eingestellt wurde, wird hier nun seit Dezember 2004 wieder monatlich dem gebrochenen Beat Respekt gezollt. Mit der Breaks and the City [2] Reihe von Rob-B, MC Bullit und DJ Public wird allerdings neben Drum & Bass und Jungle auch den Stilen NuSkoolBreaks, funky Breakbeats und Reggae/Dub ein fester Platz im Programm eingeräumt.

Eine wöchentliche Heimat finden Frankfurts Drum & Bass Headz im Untiy, in dem an jedem Mittwoch von DJ Franksen initiiert, bei Unity in Bass [3] so gut wie alle Drum & Bass DJs der Stadt in Rotation Platten bei freiem Eintritt auflegen und zu kühlen Drinks, aber auch zum gepflegten Abfeiern einladen. Am Osterwochenende begeht Unity in Bass seinen einjährigen Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch!

Die Veranstaltungsreihe Solid Soul [4] hat sich als Marke für souligen Drum'n'Bass etabliert und nach einem festen monatlichen Abend im benachbarten Mainz nun auch 2004 in Frankfurt für Aufsehen gesorgt. Auch 2005 wird wohl Einiges von der Solid Soul zu erwarten sein.

Im Atelier hat die Beatpainters Crew seit kurzem ihre neue Heimat gefunden und veranstaltet dort einmal monatlich am Samstag ihre Straight out of Low Cash Parties, bei der neben DJs aus der Region auch Gäste von ausserhalb ihre Platten auf den Turntables rotieren lassen. Der Club Kiew [5] ist meist in illegalen Locations beheimatet und bietet unter der Regie von den DJs Josha, Yook und Blinky Bill zusammen mit der Monsoon Crew (mit DJ/MC Kissy) die wohl undergoundigsten Parties von ganz Frankfurt, die immer einen Besuch wert sind.


Radioshows und Sender

1997 wurde mit "Ruff FM" die erste wöchentliche Drum & Bass Radiosendung Deutschlands auf dem nicht kommerziellen Radiosender Radio-X (FM 101,4; Kabel 99,85) von den DJs Scoob-Reak, Kuttin Edge und Soniq initiiert, die auch heute noch, aufgeteilt in die drei muskalisch differenzierten Formate Krunchtime, FutureJazzSessions und Ruffmob, jedes Wochenende ausgestrahlt wird.

Auch der Hessische Rundfunk zog nach, liess aber mit der Umbenennung seines Senders HR XXL in YouFM die wöchentliche "Outbreak" Sendung von Bassface Sascha dem Quotendiktat zum Opfer fallen.

Somit ist heute Radio-X [6] der einzige Sender in Frankfurt, auf dem Drum & Bass gespielt wird. Regelmässige Sendungen im Rahmen der DJ-Night wie "Music for a Hard Life" von den System Killaz, "Art of Rollin'" mit der AOR Crew um Simon, Chopper, Miguel Ayala und MBR oder die Monsoon Crew halten hier die Fahne für den gebrochen Beat hoch.


TV

In unregelmässigen Abständen läuft auf dem "Freien Kanal" die Sendung "Rinse Out TV", bei der schon DJs wie Alley Cat, Peshay, Storm, High Contrast und vor kurzem DJ Hype erst ein kurzes Interview geben und dann 50 Minuten lang live in the Mix aufgezeichet werden.


Labels

Die Label-Landschaft wurde und wird eigentlich bis jetzt nur durch das erste Frankfurter Drum `n Bass Label Precision geprägt, das mit Acts wie Kabuki, X-Plorer & Dee-Pulse, Miguel Ayala oder Pentagon seit 1996 eine eigene Definition von Drum & Bass liefert.

Chopper und Miguel Ayala sind ausserdem mit ihren Labels The Art of Rollin und Socio aktiv, letzteres hat es immerhin schon auf fünf Releases gebracht.

Seit kurzem ist nun mit Blusaphir [7] das neue Label von DJ Rome am Start, das in diesen Tagen seinen ersten Release feiern konnte.


Plattenläden

Freebase
Petersstrasse 2 / Ecke Bleichstrasse
60313 Frankfurt am Main
Tel 069-13376255 / 56 (Fax)
AP: Miguel Ayala, Chopper
          ProVinyl
Elefantengasse 19
60313 Frankfurt
Tel 069-1310952
AP: Josha


Text: Martin Gödde, Solar Penguin Agency [8] (Februar 2004)
Dieser Report spiegelt den aktuellen Stand im Februar/März 2005 wieder. Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Manches wurde bewusst außer Acht gelassen oder aber unbeabsichtigt vergessen.

Ihr habt Kommentare / Fragen? Diskutiert den Cityreport im Future Forum [9]!

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Links:
   [1] http://www.tanzhaus-west.de/spacebreaks/
   [2] http://www.breaksandthecity.de
   [3] http://www.blogigo.de/unity/
   [4] http://www.solidsoul.de
   [5] http://www.club-kiew.de/
   [6] http://www.radiox.de
   [7] http://www.blusaphir.com
   [8] http://www.solarpenguin.de
   [9] http://www.future-music.net/forum/showthread.php?t=22603



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