Im
Norden tut sich endlich was - auch in Richtung Jungle, denn im letzten Jahr hat
Bremen einen wahren Boom in der Jungle-Szene erlebt.
Angefangen hatte es eigentlich "schon" 1993, wo sich eine kleine Breakbeat-Szene
hauptsächlich durch die Parties im damaligen Exzess-Club entwickelte.
Leider starb diese auch mit der Schließung des Clubs, und über ein
Jahr lang war alles tot. Anfang 1995 lebte sie aber wieder auf, erst im Zuge der
Medien-Trendwelle durch eine etwas kommerzielle Jungle-Party im Modernes einem
lokalen Techno- und Houselub. Aber egal, der Anfang war gemacht und bald folgten
kleinere Underground-Parties, z.B. im Maxim und im Tanzstudio Barelli.
Ab Oktober '95 ging es dann richtig ab, die ersten Dreamland-Parties im Tivoli
setzten den Standard, einer grandiosen Location, alles stimmt an diesem Club,
einschließlich der sauberen Klos. Dreamland lieferte bisher vorwiegend
englisch geprägte Line-Ups mit Größen wie Hype, Nicky Blackmarket,
Ratty, SS, Darren jay, Swan-E, C. Smooth, den MCs Warren G., GQ und MC MC und
lokaler Unterstutzung der Bremer DJs Mick, N.D., Goofy und Mo. Die letzte
Dreamland IV verzeichnete über 1.000 Besucher. In kürzester Zeit hat
sich die Dreamland durch ein ausgewogenes Konzept nach oben katapultiert und darf
z. Z. ohne Übertreibung als bester Jungle Event des Nordens bezeichnet werden.
Aber auch kleinere Parties werden laufend kurzfristig organisien (JZ Buchstr,
Bahnhof Ostlebshausen, Schlachthof), es gibt wirklich eine Menge Leute, die auch
was machen und nicht nur konsumieren, allerdings gibt es aber grundsätzlich
unter den "Neuen" eine ganze Menge Rumhocker, die das mit dem Tanzen
noch nicht so ganz begriffen haben und lieber erst mal den Coolen machen, aber
man ist ja (hoffentlich!) lernfähig.
Die junge Bremer Szene hat insgesamt wirklich noch einen Underground-Touch, es
passiert viel ohne großartige Promotion, kleine Events sprießen wie
Pilze aus dem Boden und wer sich nicht auskennt und keine Insiderinformationen
hat, der steht in Bremen auf dem Schlauch, weil immer wieder neue, abgefahrene
Locations gefunden werden. Ich habe dort schon Parties erlebt in stillgelegten
Bahnhöfen für 1,- DM (!!!) Eintritt. Das ganze hat einen sehr positiven
Nebeneffekt, durch die Abgelegenheit vieler Locations und Mundpropaganda anstelle
vieler teurer Flyer hält man sich auch weitgehend das unerwünschte Volk
aus den Rotlichtvierteln und ähnliche Störfaktoren vom Leib, was z.B.
der Technoszene vielerorts schon den Untergang beschert hat.
Events
"Drums of Reality" im Metro, Edward-GrunauStraße, Eintritt
10,- DM, ist jeweils am 1. Samstag im Monat, und 1 mal im Monat gibt es an wechselnden
Samstagen Jungle im Sputnik (Ex-Tunnel, Herdentorsteinweg (gegenüber Hauptbahnhof),
Eintritt 10,- DM.
Nach einer zwangsweisen und leider sehr ausgedehnten Sommerpause (das Tivoli ist
bis Ende August schon vermietet) ist aber die Dreamland V jetzt für den 21.
September geplant, diesmal in etwas größerem Stil in einer Halle am
Bremer Hafengelände mit einer Kapazität für ca. 2.000 Leute und
mit landesweiter Promotion, dementsprechend anspruchsvoll auch das geplante
Line-Up (to be confirmed), was bei dieser Zahl an englischen Top-DJs wohl auch
für den Süden von Interesse sein dürfte: DJ SS, Sy, Jimmy J., Ellis
Dee, Grooverider, Kenny Ken, LTJ Buken, Slipmatt, sowie MC Moose, Robby Dee und
Sharkey; Bremer Support: Mick, N.D. und Goofy. Außerdem plant der Veranstalter
anlässlich der Loveparade und in Kooperation mit Berliner Clubs eine Party
in Berlin, was uns dann möglicherweise auch einen Jungle-Wagen auf der Loverparade
bescheren könnte. Eventuell bewegt mich das, dann doch noch einmal hinzufahren
- vielleicht trifft man sich dort?
Tschüß 4 Respect to all true Junglists, Dagmar
p.s. Die zweite Meditation Germany-Tour rollt dieses Mal auch nach Bremen. Am
19.08.96 ist das geplante Line-Up: Mickey Finn, DJ Rap, DJ Ron, Bryan Gee, Shy
Fx, Mampi Swift und der Berliner Jungle-Don DJ Sebel. Dazu die MCs Det und Navigator!
Text: Dagmar
Der Text erschien in "Pressure" im Juni 1996 und wurde future-music.net
freundlicher Weise zur Verfügung gestellt. URL dieses Dokuments:
http://www.future-music.net/cityreports/1996-06_bremen/