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rené@baesse.de
28.01.2003, 00:29
GEHT ES EUCH NICHT AUCH SO??????

Klausurvorbereitungen: Die einzelnen Phasen


1. Die Diesmal-beginne-ich-rechtzeitig-Phase
Am Anfang der Planung sind die Studenten ziemlich optimistisch. Immerhin
besteht die Aussicht, dass mensch wenigstens dieses Mal auf sinnvolle
und systematische Weise arbeitet. Obwohl er um keinen Preis der Welt
bereit ist, gleich an die Arbeit zu gehen, rechnet der Student in dieser
Phase fest damit, dass der Arbeitswahn irgendwann spontan über ihn
kommt, Bald.


2. Die Ich-werde-gleich-was-tun-Phase
Der Zeitpunkt für einen wirklich frühzeitigen Beginn ist nun
verstrichen. Die Illusion, diesmal ein perfektes Timing hinzukriegen
schwindet. Parallel dazu wird der Druck, anzufangen intensiver. Aber die
Deadline ist noch nicht in Sicht. Gleich geht's los.


3. Die Was-soll-ich-nur-tun-wenn-ich-jetzt-nichts-tue-Phase
Während die Zeit ungenutzt dahinzieht, hat sich die Frage eines
rechtzeitigen Beginns endgültig erledigt. Diese Hoffnung ist dahin -
dafür kommen Visionen. Der Student malt sich aus, wie es wäre, wenn die
Prüfung über Nacht abgeblasen oder -noch besser- verschoben würde, ohne
dass irgendwer gemerkt hätte, dass er schon wieder nicht in die Hufe
gekommen ist. Er beruhigt sich mit der Vorstellung, in mörderischen
Nachtschichten alles bisher Versäumte nachzuholen - demnächst! Er
entwickelt eine komplizierte Ausreden-Logistik. Trotzdem: Noch könnte er
die Vorbereitung termingerecht abschließen.


4. Die Ich-tue-jetzt-was-anderes-Phase
Fast alle Studenten beginnen in diesem Stadium mit hektischen
Aktivitäten, die alles Mögliche betreffen, nur nicht die Vorbereitung.
Sie setzen alle ihre angesammelten Kräfte daran, den Schreibtisch
endlich vollständig zu säubern. Sie nehmen sich längst abgelegter
Arbeiten an. Sie füllen ihre Zeit mit Dingen, die ihnen wirklich
unangenehm sind - bloß, um die Prüfungsvorbereitungen zu verdrängen.


5. Die Ich-hab'-auch-ein-Recht-auf-Freizeit-Phase
Der Emotionshaushalt des Studenten ist nun äußerst fragil. Einerseits
ist es ihm gelungen, sich selbst zu belügen. Andererseits wachsen die
Schwierigkeiten bezüglich der Zusammenfassung mit jeder Stunde. In diese
Phase neigt der Student zu tollkühnem Eskapismus: Angesichts all der
Anforderungen, die an ihn gestellt werden, manifestiert sich nun das
Gefühl, mindestens einmal ein Recht auf Freizeit und Vergnügen zu haben.
Die Prüfung, redet er sich ein, ist bloß ein Klacks, wenn er sich vorher
erstmals was gönnen kann. Jetzt fahren die Studenten erst mal nach
Hause, gehen ins Kino oder betrinken sich vorsätzlich.


6. Die Es-ist-immer-noch-etwas-Zeit-Phase
Obwohl er sich nach diesen Vergnügungen schuldig fühlt, und obwohl ihm
der Boden jetzt jeden Moment unter den Füssen wegzubrechen droht, setzt
der Student immer noch auf Zeit. Er ist allerdings sicher, dass er
demnächst in einen geradezu tierischen Arbeitsrausch verfallen wird.
Jetzt konzentriert er sich darauf, Zwischenergebnisse vorzutäuschen. "Ja
ja, ich bin mittendrin.." ist in dieser Phase sein Standardsatz.
Nebenfronten werden eröffnet. "Ich bin gerade auf einen interessanten
Aspekt gestoßen..", versucht er den Mitstudenten weiszumachen.


7. Die Mit-mir-stimmt-etwas-nicht-Phase
Gleichzeitig plumpst er jetzt in tiefe Depressionen. Die Prüfungstermine
sind zum Greifen nahe - aber unser Student hat so gut wie nichts in der
Hand. Selbstvorwürfe und Selbstzweifel holen ihn ein. Er ist überzeugt,
dass ihm einfach fehlt, was alle anderen aufweisen können: Disziplin,
Mut, Grips!


8. Der Showdown - Die panische Phase
An diesem Punkt muss der Student seine Entscheidung treffen: Das
sinkende Schiff verlassen oder bis zum Ende durchhalten. Der Druck ist
so groß, dass er es nicht mehr aushält, auch nur eine einzige weitere
Sekunde auf Kosten der Vorbereitung zu verlieren. Sämtliche
Fremdeinflüsse werden ausgeschaltet. Der Student wäscht sich nicht mehr,
verweigert die Nahrungsaufnahme, meidet die Wirtschaften und unterdrückt
den Pinkelzwang. Ohne Wenn und Aber wirft er sich jetzt in die Schlacht.
Energiehormone werden in Extradosierungen ausgeschüttet. Die Arbeit geht
voran. Die Gewissheit, die Prüfung doch noch durchstehen zu können ist
da. Die Arbeit ist schwierig und schmerzhaft - dennoch gerät der Student
nun in die euphorische Phase. Es ist genau dieser Rausch, den er
eigentlich sucht. Das Gefühl, es gerade noch einmal zu schaffen. Dazu
das Bewusstsein, in Besitz von Riesenkräften zu sein: Seht, das Ergebnis
ist gar nicht so schlecht! Erst recht, wenn man bedenkt, dass keine Zeit
mehr war. Ein anderer hätte das in der vorgegebenen Zeit auch nicht
besser hingekriegt.

C-Wee
28.01.2003, 00:39
Das kenn ich doch irgendwoher... *meinelängstüberfälligehausarbeitrauskram* :lol:

Sizza
28.01.2003, 01:15
ja, das kenn ich nur zu gut :D
ist immer wieder das gleiche... irgendwie kann ich nicht anders...
aber es klappt auch immer wieder; bin mit dieser "Strategie" noch nie auf die schnauze gefallen...

meine lieblingssprüche wenn ich diese phasen mal wieder durch mache:

"Ohne Deadline kann ich nicht arbeiten"
"Unter Druck liefere ich die besten Ergebnisse" und
"Ich stolpere doch nicht über die Stöcke, die ich mir selbst zwischen die Beine geworfen habe"

naja, hab noch 2 wochen, dann geht's wieder rund :smoking: