Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Zynismus in homöopathischen Dosen


eulerich
17.09.2007, 11:55
heute: Berufswunsch "Terrorist" oder "wie ich lernte, die Angst zu lieben"

Da war er nun, der Berufsberatungstermin beim Arbeitsamt, bei dem mich die
kompetent, wenn auch ein wenig gestresst wirkende Sachbearbeiterin nach
meinen Plänen für meine zukünftige Laufbahn erkundigte. Da ich nun ein
Karrieremensch bin, der auch gerne ein wenig im Rampenlicht steht,
beantwortete ich die Frage kurz und bündig:

"Terrorist"

Stille.

"Wie bitte?"
"Ich würde mich gerne zum Terroristen umschulen lassen."

Wieder folgte diese gewisse Stille, in der die nette Dame, die zusehends
gestresster wirkte sich offensichtlich nicht entscheiden konnte, ob sie sich
verhört hatte, sich fragen sollte, ob ihr Gegenüber sie für dumm verkaufen
wollte oder ob er tatsächlich einfach nur dumm war.
Nun muss man über Sachbearbeiter wissen, dass es sich bei ihnen üblicherweise
um Menschen mit prozessorientiertem Denken und ohne wirkliche
Entscheidungsgewalt oder Freiheit handelt. Kurz gesagt, ist ihr
Selbstverständnis das eines Zahnrades in einer großen Maschienerie, welches
mit einem Gefühl schierer Hilflosigkeit reagiert, sobald man es mit einer
Situation konfrontiert, welche nicht im Handbuch steht.
Wie es schien, hatte ich es mit hier mit einem Prachtexemplar nach DIN 58400
zu tun und das mindeste was ich für sie tun konnte bestand darin, ihre
Zweifel bezüglich ihres Hörapparates durch nochmaliges Nennens meines
Berufswunsches auszuräumen.

Man wird sich nun vielleicht fragen, warum jemand ausgerechnet Terrorist
werden will und nicht vielleicht doch eher etwas bodenständiges wie
Kinderschänder oder Neonazi. Die Antwort auf diese Frage ist eigentlich so
simpel wie einleuchtend: Bedarf. Niemand hat Bedarf an einem Kinderschänder
oder einem Noenazi, Terroristen hingegen werden derzeit allerdings gesucht
wie kaum ein anderer Beruf. Es ist nun einmal so, dass im Bereich des
professionellem Terrorismus einfach ein Fachkräftemangel herrscht, der sich
nicht durch "Gastarbeiter" aus dem nahem Osten befriedigen läßt. Selbige sind
noch dazu zum großen Teil schlecht ausgebildet, ihre Kofferbomben
explodieren nicht immer und wenn ihnen dann doch mal ein Anschlag gelingt,
riskieren sie dabei nicht selten ihr Eigenes und das Leben Anderer. Auch
mangelt es ihnen oft am notwendigem Fleiß. Sogenannte "Schläfer" lassen
einfach zuviel Zeit ungenutzt verstreichen.

Der Trend zum Fachkräftemangel wird seit dem 11. September 2001 zusätzlich
durch die Politik angeheizt, die die klare Parole ausgegeben hat, hinter
jedem Baum einen Terroristen finden zu wollen und sich seitdem nicht scheut,
Unsummen aus den Sozialbereichen abzuziehen, um genug Finanzmittel für die
innere Sicherheit zur Verfügung zu haben. Hier wird bereits so sehnsüchtig
gefahndet, dass sogar laut über Verfassungsänderungen nachgedacht wird, um
endlich die potentielle Berufseinsteiger finden zu können. Geeignete Talente
sind so selten, dass wir es uns nicht länger leisten können, sie an Länder
wie die USA zu verlieren, nur weil die Leute hierzulande auf so überholten
Grundrechten wie der Unverletzbarkeit der Wohnung oder dem Briefgeheimnis
bestehen.

Für mich ist klar, dass wenn wir im internationalem Wettbewerb bestehen
wollen, wir in Deutschland den Lehrberuf des "Fachterroristen" einführen
müssen. Das Überleben ganzer Wirtschaftszweige hängt davon ab, dass wir
endlich die hochqualitative Anschläge bekommen, die notwendig sind, um die
Milliarden von Steuergeldern zu rechtfertigen, die wir in
Sicherheitstechnologien wie allgegenwärtige Kameras und biometrische Pässe
investieren. Terrorismus schafft Arbeitsplätze!

jastone
17.09.2007, 12:00
Reeeeeeepost!

http://www.future-music.net/forum/showpost.php?p=746612&postcount=2152




Konnts mir nicht verkneifen :D

eulerich
17.09.2007, 12:02
habsch net gesehn :(