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Vitamin Bass pres. Temper D @ Monofaktur, München


Veranstaltung: Vitamin Bass  
Datum:   17.09.2005  
Location:   Monofaktur  
Stadt:   München  
DJs:   Temper D (Offkey/ Invader/ Renegade Hardware), Andee (Lakeside Breakz), Fry (Holy Shit!), Painkiller (Killerbreaks)  
MCs:   Culombo, Micomassive


Review von micomassive für beatgewitter.de

Beginnen wir diesen Abend mit einem kleinen Zeitsprung auf 2:30 Uhr: Da stand man gutgelaunt und nassgeschwitzt kurz draußen an der Kasse, während sich die frühen Wiesen-Besucher wohl endgültig ausgekotzt und bereits schlafen gelegt hatten. Die ganze Stadt taumelte in Oktoberfestbiernachwehen und reduzierte sein Nachtleben auf die sympathischen Glatz- bzw. Gelköpfe am Stachus. Ganz München war tot. Ganz München?

Nein. Fragt einfach das nächste Mal Wolf, den sympathischen Türsteher der Monofaktur. Eben zum angesprochenen Zeitpunkt kam der sichtbar fassungslos mit offenem Mund aus der Monofaktur und brachte gerade mal ein „Ey, der reine Wahnsinn“ raus. „Die kreischen da drin ja alle!“.

Nun muss man dem Wolf ja zugestehen, dass er wirklich ein netter Kerl is’, von Drum’n’Bass-Partys aber leider keine Ahnung hat. Auch von der zuvor eher mäßigen Partykultur in der Monofaktur ist er nicht gerade verwöhnt – doch als er kurz darauf an einen jungen Herrn gelangte, der nicht bereit war, den vollen Eintritt über acht absolut unverschämte Euro zu bezahlen, brachte auch Wolf der Türsteher nicht mehr als ein mitleidiges Lächeln und ein „Na dann halt nicht!“ über die Lippen. Nein, verhandeln konnte man an der Kasse auch zu spätem Zeitpunkt nicht – es war einfach absolut unangemessen...

Die Ausgangslage vor 22:00 Uhr dagegen ließ alles andere als einen Volltreffer erwarten: Dave (aka Temper D) sei verschnupft, die Warm-Up-Band spielt auch Trash- und Death-Metal (war aber vor allem durch die Bläser-Fraktion sehr gut), die Gästeliste ist wieder viel zu lang und überhaupt erst mal alles traditionell genervt.

Ja, und dann trudelte München langsam ein: Der 40-jährige Alternativi mit Holzperlen-behängter Eso-Ehefrau, die Touri-Fraktion mit hässlichen Oktoberfest-Hüten und die angetrunkenen Dirndl-Mädelz mit extremen Hang zum Weiterbesaufen.

Insofern also kein leichtes Setting für AnDee (Lakesidebreakz), um für locker-flockiges Warm-Up zu sorgen. Doch zwei Stunden und etwa 200 Gäste später wurde dann schon klarer, welchen Verlauf der Abend nehmen sollte: Ununterbrochenes „Yeeehaaa“-Gebrülle, ein Meer von Armen in der Luft und eine Luftfeuchtigkeit von ca. 90%. Ja, und Wolf der Türsteher fing da an zu schwitzen. Und der stand draußen.

Die Jubelarien jedenfalls, die DJ fRY (Holy Shit!) da bereits entgegenschwappten, versenkten einen dann endgültig in wilde Hysterie, als der Master himself, Mister Temper D, die Nadel in die Rille setzte, das Ruder übernahm und in Richtung Drum’n’Bass-Heaven navigierte. Nein, so was hat man noch nicht gehört, gesehen, geschweige denn gespürt. Der Schweiß auf den nassgeschwitzten Junglists verdampfte, kondensierte und tropfte zeitgleich von der Decke und seinem jeweiligen Nachbarn auf der Tanzfläche. Ein Drop folgte auf den nächsten vermischte sich mit dem dritten und mündete schließlich in einem Rewind. Der Club – mittlerweile bis ins letzte Eck belegt – zuckte und waberte nur noch. Die Ladys tanzten auf der Bassbox, Flowsn hatte schwarze Ufos unter den Achseln, Temper D seinen Schnupfen vergessen und der ganze Club nur noch ein dickes Grinsen im Gesicht.

Ein paar Autogramme (!) von Dave und zahllose Rewinds später konnte auch der gute Herr DJ nicht mehr, dankte unter ohrenbetäubenden Jubel ab und spielte wohl mit dem Gedanken, ins Hotel überzusiedeln.

Nachdem aber immer noch knapp 250 Leute um 4:30 Uhr ihre Ladung Adrenalin + Endorphin rausballern wollten, gestaltete sich das Heimspiel von Painkiller nicht viel anders als das Auswärtsmatch von Dave. Der stand übrigens auch noch eine volle Stunde später auf der DJ-Kanzel, kratzte sich verwundert am Kopf und wischte sich den Schweiss von der Stirn. Ein „So we hope yuh soon come back to Munich“ wurde mit hektisch-übereinstimmenden Kopfnicken quittiert – und in Gedanken waren 80 % schon wieder beim nächsten Temper D-Besuch.

Bezeichnend: Der berühmt-berüchtigte Vertreter der „Energy-Crew“ verbrachte den Rest des Abend schlafend links neben der DJ-Kanzel. Also: Namen überdenken und vor der nächsten Vitamin Bass-Packung ordentlich Stretching- und Gymnastik-Programm absolvieren...

So, noch mehr Worte drüber zu verlieren, macht wirklich wenig Sinn. Die obligatorischen Big Ups gehen so diesmal auch nicht an die Veranstalter, die DJs, die MCs oder Wolf dem Türsteher, sondern an die Munich Junglists. Es hat einen Stolz gemacht, wie sehr gerockt wurde und machte unendlichen Appetit auf mehr: Jaha, nächstes Monat kommt Noisia...
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17.05.2008, 07:35 h | 12 Junglists online