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Wicked - Raggajungle Special


Veranstaltung: Wicked - Raggajungle Special  
Datum:   19.03.2005  
Location:   Club Flex  
Stadt:   Wien, Österreich  
DJ's:   DJ Freeze (Boogie Nights/ Mannheim), Double Trouble, Wickedsquad  
MC's:   Phile


Bilder von "Wicked" findet Ihr in der Gallery

Review von SiNiSTA

Seit Donnerstag keinen bis kaum Schlaf. Wie sollte mein kurzer, spontaner Abstecher nach Wien ins Flex bloß enden?

Am Samstag Morgen gegen 5:27 gings los. Erstmal mit der S-Bahn bis nach Schoenefeld und dann dank easyjet.com zu 'nem fairen Preis nach Bratislava (Slovakei). Urspruenglich wollte ich von dort mit dem Zug weiter nach Wien, aber vor der Ankunftshalle stand schon ein Bus bereit und so konnte ich die schwer erlernten Slowakisch-Vokabeln getrost wieder verdraengen. Nur "Letisko" (Flughafen) merkte ich mir fuer die Rueckfahrt.

Nach rund einer Stunde Fahrt und kleinem Aufenthalt am Grenzuebergang (ich hab' da immer Probleme, weil ich nie so aussehe, wie ich laut Pass sollte) bin ich dann endlich in Wien angekommen. Erstmal lecker fruehstuecken (EUR 16,70!!!), dabei mein Schlafdefizit ausgleichen und dann in die Plattenlaeden, dachte ich mir.

Tja, leider weit gefehlt. Ich latschte vom 1. in den 4. Bezirk und fand mich lediglich bei 2nd Hand Vinyvertreibern wieder *heul*. Ok, ab ins Internet-Cafe und die Future-Gemeinde um Hilfe fragen -yeah- Volltreffer! Wenigstens wusste ich jetzt wo ich die nexten Stunden totschlagen konnte. (Fuer alle Wien-Reisenden empfehle ich die aktuelle Recordshop-Adress-Kollektion im Future Forum)

Nachdem ich mich mit John (auch ein Rhein-Neckar-Sproessling), der zurzeit in Wien arbeitet, und seinem Besuch (ebenfalls aus der 68'er Region), getroffen hatte, machten wir uns endlich auf den Weg zum legendaeren Flex (Donaukanal/Abgang Augartenbruecke). Schon so ziemlich jeder bekannte Artist "abseits des Mainstreams" (ob DeeJay, Live-Act oder Band) hat hier schon performt und kam in den Genuss eines der besten Club-Soundsystems ueberhaupt. Somit lagen die Erwartungen an den Abend sehr hoch und die Vorfreude auf DJ Freeze wuchs im Minutentakt.

Wicked heisst die Partyreihe, die es dank Spaceant bereits seit 1995 gibt, und wicked sollte auch dieser Abend werden! DJ Freeze, der ebenfalls seit Anfang der Neunziger erfolgreich ist und nicht nur zurzeit und nicht nur im Mannheimer Raum einen Gig nach dem anderen zum Erlebnis macht, war angetreten diesem Abend seinen Stempel aufzudruecken. Mit seiner einzigartigen Selektion aus eigenen Produktionen und Mash-Up-Songs gilt er vermutlich als Deutschlands bester und einzig wahrer RaggaJungle-DeeJay! Jetzt war Wien an der
Reihe...

Nach gelungener Ueberraschung im Backstage-Raum, mit der Mr.Freeze nicht gerechnet hatte, weihten wir den Abend mit einem ersten gemeinsamen Wodka-Bull ein. Kurz darauf waren die Tueren offen, die Wien'er Drum'n'Bass-Gemeinde stroemte herein und meine folgenden Wege zur Bar stellten sich immer schwieriger dar.

Den Anfang hinter den Decks machte der Wicked-Chef, Kollege Spaceant, hochstpersoenlich. Und so dauerte es nicht lange, dass die Masse bouncte was das Zeug hielt. Und wer jetzt denkt, dass war schon alles -weit gefehlt- Double Trouble (2 DJs, 4 Turntables) erklommen die Buehne und nahmen die immer enger stehende Meute unter Beschuss. Bei Ragga- und Dancehall-Sounds, die gleichzeitig an 4 Plattentellern gekonnt mit Jungle- und Hardcore-Scheiben vermischt wurden, kamen erste Hitzewallungen auf.

Mein Weg zur Bar gestaltete sich mittlerweile als aeusserst kompliziert und ich war jedesmal froh, wenn ich nach einiger Zeit noch mit halb gefuelltem Glas im Backstage und an der Buehne ankam. Aber abgesehen von meinen Getraenkeverlusten (zum Glueck gab's noch Bier im Backstage) lohnten sich die Wege allein schon wegen der Kommunikation mit den Wien'er-Junglisten, die extrem gut drauf waren und sichtlich ihren Spass hatten. Ich sag' nur "leiwand" ;)

Wohl aufgrund der saunaaehnlichen Temperaturen, der steigenden Luftfeuchtigkeit und dem Platzmangel auf dem Mainfloor, die die Turntable-Show ausloeste, tanzten nun an die 10 Jungs und Maedels auf der Buehne. Zudem gesellte sich dann noch MC Phile mit ins bunte Treiben, welcher puenktlich um 2 Uhr DJ Freeze von Boogie Nights aus Mannheim ankuendigte.

Freeze, welcher zuvor noch etwas unfit wirkte war auf einmal hellwach und knallte uns seine Dubplates und speziell fuer ihn eingesungenen RaggaJungle-Versions um die Ohren. Der Club war bis zum Anschlag gefuellt. Die Masse vor der Buehne sprang auf und ab und waehrend der Breaks streckte jeder seine Haende in Luft. An einen Ausflug zum zweiten Floor war zu dieser Zeit nicht zu denken. Die Stimmung war absolut genial. Ich hatte den Eindruck, dass die lokale Partycrowd sehr herzlich bei der Sache war und sich nicht auf die ueblichen Coolness-Allueren einliess. Einfach jeder tanzte, tobte und schrie vor Begeisterung. Man koennte auch sagen: willenlos!

Etwas spaeter traf ich sogar zwei alte Bekannte wieder: Pandora & Lighta, mit denen ich mir, waehrend Freeze seinen Original Nuttah-Mix zum Besten gab, in den Armen lag. Auf der Buehne war Freeze, vor lauter Junglists, mittlerweile kaum noch auszumachen. Dennoch gelang mir gluecklicherweise der ein oder andere Schnappschuss.

Der letzte Track in Mr.Freeze's Set war dann der Wunsch eines Fans/Besuchers, der fragte ob er nicht den "Udo" spielen koennte. Eingefleischten Freeze-Anhaengern duerfte das wohl nichts unbekanntes sein und so traellerte, nach einem zweistuendigen Set, zu guter letzt Udo Juergens sein "Was ist Zeit" ueber die geballte Vienna-Massive, die mit grossen Augen und fettem Grinsem im Gesicht dem Text lauschte ;)

Meine Energie war zu diesem Zeitpunkt, aufgrund Schlafentzug, im roten Bereich angelangt und ich machte es mir hinter Spaceant, der danach die Drehteller in Beschlag nahm, bequem. Als ich aufwachte war es bereits 6 Uhr und wir verliessen die heiligen Hallen.

Der Folgetag begann in einer Wohnung, die vor Comicfiguren jeglicher Art nur so strotzt. Vom Aquarium ueber die Badewanne bis zum Ewok-Diarama im Blumentopf war alles da und noch viel mehr. Ein Traumland fuer jeden Fan und ein Maerchen fuer jeden Besucher ohne Fachkenntnisse, aber garantiert ein Horrortrip fuer jeden LSD-User.

Mit der dort gewonnenen Muetze Schlaf und einem leckeren Wiener Schnitzel (pflicht!) gings dann Richtung Flughafen. Dank Dan Brown's neustem Schmoeker "Diabolus" kehrte auf meinem Weg nach Berlin, dann irgendwann so etwas wie Entspannung ein, die ich gegen 0:00 Uhr endlich vollends in meinem Bett auskosten durfte.

Absolute Wicked-Party und fuer jeden Wien-Besucher ein Pflichttermin.
Allein schon wegen der Stimmung und dem Flex!

18.11.2017, 01:58 h | 5 Junglists online