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Jungle Street Groove 2004


Veranstaltung: Jungle Street Groove 2004  
Datum:   28.08.2004  
Location:   Münsterplatz, Innenstadt  
Stadt:   Basel (CH)  
Crews:   Acoustic- Connection (D'n'B), Audiotherapie (D'n'B / Jungle / Ragga), Charras GmbH (Tribal Deep-Tek African-set mit Bongos und Saxophon), Get Physical (D'n'B), Grenzgänger (D'n'B, Ragga), Mondsucht (Electro und Livetrommeln), Nordstern (Breakbeats, Big Beats), Playground Legendz (D'n'B), Possessed by and Uneven (Neurofunk, Techstep, Rolling beats), Ragga Train (Ragga), Tronix (Jungle / D'n'B), Tsunami Crew / WCC (D'n'B)  


Bilder vom "Jungle Street Groove" findet Ihr in der Gallery.

Review von Torsten

Seit 1995 wird der Jungle Street Groove in Basel vom gleichnamigen Verein durchgeführt. Diese Parade versteht sich als Demonstration, welche mittels der Jungle Musik für eine kulturelle Vielfalt und deren Akzeptanz plädiert. Der Jungle Street Groove ist auch eine Manifestation für Klein- und Kleinstschaffende, deren Wichtigkeit der Kulturstadt Basel näher gebracht werden soll. Die Jungle Musik, das multikulturelle Gemisch aus Afro Sound, Reggea, Hip-Hop und elektronischer Musik zeigt auf, dass ein friedliches Zusammenkommen verschiedenster Kulturen möglich ist und dadurch neues kreatives Potential entfaltet werden kann. Voraussetzung für dieses Wachsen und sich Entwickeln ist Toleranz. Nur mit Toleranz und Respekt gegenüber anderen können wir voneinander lernen. Der Jungle Street Groove, eine Demonstration für Jungle Musik und Toleranz, soll Jung und Alt animieren, mit den Groovetrucks durch die Stadt zu tanzen und dem kreativen Zusammenleben neue Impulse zu geben.

Dem Motto der Parade wurde auch beim 10 jährigen Jubiläum im Jahr 2004 wieder alle Ehre gemacht und es versammelten sich bereits um 17.30 Uhr zum Beginn der Parade Tausende Tanzwütige und Interessierte am Münsterplatz, wo die Demonstration jedes Jahr traditionell beginnt. Die Basler Medien sprachen von 7000 Menschen, wie hoch diese Zahl in Wirklichkeit war weiß wohl keiner genau – wir waren jedoch der Meinung das es dieses Jahr über 10000 Menschen waren, die sich an der Wanderschaft durch Basel beteiligten. Mit dem Start am Münsterplatz beginnt der 'Jungle Street Groove' an Basels malerischstem Ort und die Route über die Wettsteinbrücke und entlang dem Rhein zeigt die Stadt von ihrer schönsten Seite.

Dieses Jahr wurden 12 Groovetrucks (mit Soundsystem, Dekorationen, Nebel, Licht u.s.w ausgestattete Kleinlastwägen) von den Behörden zugelassen um durch Basel zu rocken und zu rollen.

Folgende Crews nehmen dieses Jahr mit einem Wagen an der Parade teil:

Acoustic- Connection (D'n'B)
DJs: Sueshi, the Mole
Audiotherapie (D'n'B / Jungle / Ragga)
DJs: Omen, Ill Whippet, Stripe, Nyma
Charras GmbH (Tribal Deep-Tek African-set mit Bongos und Saxophon)
DJs: Dane Hasch, clau-dee, T-Norman, Pepjam
Get Physical (D'n'B)
DJs: D Fab J, Spectron, Moe, James Cypha, MC Matt, SheMC Myra
Grenzgänger (D'n'B, Ragga)
DJs: Cut The Weezle, Le Fou Février, Groove Scientist, 2B
Mondsucht (Electro und Livetrommeln)
DJs: Börns, Baschgi Schuub
Nordstern (Breakbeats, Big Beats)
DJs: Effbeats, Creaminal, Bengston, Gregster
Playground Legendz (D'n'B)
DJs: Deciever, Drastic, Dave Jayson
Possessed by and Uneven (Neurofunk, Techstep, Rolling beats)
DJs: Pao, Phear, TomBass, Complex, Cubic, MCs Soze & Burns
Ragga Train (Ragga)
DJs: Superstef, Supasonic, Rulin Fire
Tronix (Jungle / D'n'B)
DJs: Doc Ferris, Sugar Daddy
Tsunami Crew / WCC (D'n'B)
DJs: Jinxx, Secret, Muck, STL, Mia

Der Beginn der Parade wird bewusst jedes Jahr erst ab 17:00 Uhr bewilligt, da der Samstag ein wichtiger Ladeneinkaufstag in Basel ist. Der Verein muss immer wieder zahlreiche Verhandlungen führen und Kompromisse mit der Stadt eingehen um die Parade veranstalten zu dürfen. Daher ist die Route der Demonstration auch so gewählt das der Tram- und Individualverkehr möglichst wenig beeinträchtigt ist. Jedes Jahr aufs neue müssen Einverständnisse der direkten Anwohner eingeholt werden und die Kooperation mit der Basler Polizei zustande kommen.

Doch es hat auch im Jahr 2004 zum 10 jährigen Jubiläum des JSG wieder alles geklappt und so konnte die Parade ohne Verspätung beginnen. Man hatte im Vorfeld etwas bedenken mit dem Wetter (und es hat verdammt nochmal wirklich oft geregnet an den Tagen der vergangenen Paraden) doch Petrus hat es gut mit uns gemeint und hat uns einen stabilen, trüben, bewölkten Sonnentag beschert. Eigentlich war das kaum zu glauben denn es hatte die gesamte Woche geregnet, doch genau an diesem schönen Tag blieb die Feuchtigkeit aus und kehrte erst um 4 Uhr nachts wieder zurück nach Basel. Die Parade verlief ohne nennenswerte Komplikationen. Hier und da stellte mal kurzzeitig ein Stromaggregat eines Groovetrucks ab und die Musik verstummte für kurze Zeit, doch die technischen Probleme wurden stets sofort behoben. Dabei wurden die nervösen und verschwitzten Techniker oder DJ´s der jeweiligen Trucks auch lautstark von den, um die Fahrzeuge versammelten, Menschenmassen unterstützt, was die Situation für die armen Jungs auf den Lastwägen sicher nicht erleichterte.

Auffallend war, im Vergleich zu den letzen Jahren, dass einige Trucks wirklich sehr starke Beschallungsanlagen auf ihren Vehikeln mit sich führten und das die Stadt dieses Jahr richtig gebebt hatte und auch die Wettsteinbrücke ordentlich in Vibration versetzt wurde. Außerdem waren auf 5 von 12 Wägen MC´s mit an Bord, die den Mitläufern, zusätzlich zu dem pushenden Klängen aus den Boxen, ordentlich einheizten.

Einer der schönsten Momente der gesamten Parade ist mit Sicherheit jedes Mal wieder die Unterführung, direkt an der Rheinpromenade, die passiert wird. Dort wird jedem Groovetruck einige Zeit eingeräumt um mitten unter der Brücke auszuharren und richtig Gas zu geben. Viele Crews präparieren ihren Wagen im Hinblick auf diesen Moment mit Lichteffekten und Nebelmaschinen, denn in der Tunnelähnlichen Unterführung wird der Tag zur Nacht und die Strassenparade nimmt den Flair einer Clubveranstaltung an. Dort unten ist Zeit für diverse "Rewinds", messerscharfe MC lyrics und euphorische Tanzstimmung. Der Klang der Musik verwandelt sich unter der Brücke zu einem ohrenbetäubenden, verhallten fetten Brett und viele Begleiter der Demonstration bleiben genau an diesem Fleck stehen um jeden einzelnen Kleinlastwagen dort unten zu erleben.

Kurze Zeit später endet die Parade dann auch leider schon direkt an der idyllischen Rheinpromenade des Unteren Rheinwegs. Dort bleibt es einem der 12 Trucks überlassen die Anlage weiter auf Anschlag zu lassen und einen fetten Endspurt vor den Toren der Kaserne hinzulegen. Einige der tanzwütigen Demonstranten bleiben weiter um diesen einen Letzten Groovetruck versammelt um mit ihm zusammen das „Finale“ der Parade zu zelebrieren währen Andere sich am Ufer des Rheins ausruhen und den letzten Klängen lauschen. Dort beginnen auch die übrigen Lastwägen meist sofort damit ihr Fahrzeug wieder abzubauen. Auch dieses Jahr war es ungefähr 21Uhr als die Parade ihr Ende am Basler Kasernengelände fand. Der Truck mit der fettesten Anlage spielte dort weiterhin Musik bis kurz vor 22 Uhr um einen nahtlosen Übergang zu den Abendveranstaltungen des Basler Jungletages herzustellen.

Dieses Jahr gab es zwei offizielle Afterpartys am Abend des 28. August. In der Kaserne, direkt wo die Parade endet, gab es die Drum n Bass Afterparty mit folgenden Acts: DJ's: Zinc (UK), Spectron (GetPhysicalCrew, BS), DLC (Elephant Prod., BS), MC Fats (UK)

Während im NT-Areal Minimal und Electo von den DJ´s Chris Air, Börns und Baschgi Schuub – und dazu diverse andere Musikrichtungen von den DJ´s jesse da killah, john porno , g.i.s, motorv8a und swen sieg gespielt wurde.
Die Veranstaltung im NT-Areal kostete keinen Eintritt und war daher wohl auch gut besucht. Es gab weitere kleinere Veranstaltungen verschiedener Musikgenres an diesem Abend, die wohl alle recht erfolgreich waren.

Im Basler "Sommercasino" sollte auch am Vorabend des 28. August eine Preparty stattfinden doch da die Organisation des Sommercasinos dieses Jahr einen "Gratis-Sommer" ins Leben gerufen hatte (Alle Veranstaltungen KEIN EINTRITT!) gab es wohl einen rießigen Besucherandrang aber jedoch auch einige unangenehme Nebenaspekte mit denen sie zu kämpfen hatten. Es gab für sie nur noch den Ausweg kurzerhand sämtliche Veranstaltungen im August abzusagen.
Ich habe folgende Erklärung des Managements auf ihrer Homepage gefunden:

"Liebes Publikum

Ihr seid dieses Jahr besonders zahlreich erschienen. Und das hat uns natürlich sehr gefreut.
Jedes Wochenende waren rund 1500 Leute auf dem Areal. Dies war zu viel für den Park, die Nachbarn und die Sicherheit. Abfall, Flaschen und Scherben machten den Park zur Müllhalde. Viele verwechselten den Park mit einer öffentlichen Toilette. Exzessiver Konsum von selbst mitgebrachten Alkoholika und Sachbeschädigungen in den Gärten unserer Nachbarn haben die Situation weiter verschärft....."


Die Drum n Bass Afterparty in der Kaserne kostete 22 Schweizer Franken Eintritt. Ein eigentlich recht fairer Preis wenn man bedenkt das zwei Englische Gäste mit von der Partie waren. Wir denken das diese Party eigentlich teurer gewesen wäre, wenn nicht die anderen Abendveranstaltungen in Basel alle Umsonst bzw. sehr billig gewesen wären. So mussten die Macher der Kaserne schon mit ihrem Preis in den Keller um genügend Publikum zu bekommen um ihre Kosten decken zu können. Es wäre je nach dem auch zu erwarten gewesen das einige Drum n bass Anhänger eventuell erst abends zu der Afterparty eintreffen um "fit" und nicht "platt" von der Parade mit DJ Zinc und MC Fats zu rocken. Na ja, es waren dann wohl so insgesamt 600 - 800 Leute die sich an diesem Abend in der Kaserne eingefunden hatten um die Engländer zu sehen und zu hören.

Da die Musik des letzten Groovetrucks erst kurz vor 22 Uhr verstummte war die Kaserne gleich von Beginn der Afterparty an ordentlich gefüllt. Sehr viele Leute chillten jedoch auch erst noch einige Zeit auf den Grünanlagen des rießigen Kasernen-Innenhofes bevor sie sich nach Innen begaben. Das Warm Up gestalteten zwei Basler DJ´s. Sie wechselten sich ständig ab und spielten zusammen bis ungefähr 2 Uhr.
Die Jungs gaben von Anfang an ordentlich Gas – für unseren Geschmack sogar etwas zuviel Gas. Es lies sich keine Struktur in ihrem Set erkennen. Jeder spielte nur eine harte Scheibe nach der Anderen und versuchte die Crowd mit Hilfe der heftigen Bässe zu kicken. Sie verstanden es jedoch die Menge zum Tanzen zu bewegen obwohl sie von keinem MC unterstützt wurden. Es hatte allerdings recht bald den Anschein das ihr Back2Back Set nicht nur uns zu hart, zu monoton und zu unüberlegt war, sondern auch dem Großteil des restlichen Publikums. Mit der Zeit erlosch die Euphorie und die Tanzfreude der Leute und es stellte sich ein ungeduldiges Warten auf die Hauptacts ein.

Zu diesem Zeitpunkt freuten wir uns sehr auf MC Fats. Es war an der Zeit Abwechslung in das monotone Hörerlebnis zu bringen. Ein MC musste jetzt das gesamte Publikum ansprechen, die Menge vereinen und gut getimte Lyrics einwerfen um die Feier zurück auf den richtigen Weg zu führen.
Als es dann endlich soweit war und die Special Guests nach einiger Zeit Verspätung die Bühne betraten kam wie verhofft wieder Leben in die Kaserne. Jetzt waren alle gespannt was DJ Zinc und MC Fats bieten werden.
Zinc schaltete glücklicherweise zuerst einmal 2 Gänge runter und versuchte das Publikum zu Beginn seines Sets in Spannung zu versetzen. Nach fast 4 trockenen Stunden, die die Basler Jungs vorgelegt hatten, kamen jetzt auch endlich einmal sphärische Klänge aus den Boxen – verfeinert mit wohlklingenden Lyrics. Die Englischen Gäste verstanden ihr Handewerk und brachten die Stimmung zurück auf ein hohes Level.

Es hatte jedoch leider recht bald den Anschein das die zwei nicht um jeden Preis eine unvergessene Feier aus dem Abend machen wollten und so kehrte die Monotonie recht bald zurück in die Halle der Kaserne. Nach ungefähr einer dreiviertel Stunde war in unseren Augen das Feuer schon wieder erloschen. Zinc spielte zwar die Eine oder Andere Oldschool Scheibe oder auch diverse aktuelle Dancefloorburner, welche vom Publikum positiv angenommen wurden und auch kurzzeitig für Stimmung sorgten, insgesamt verstummte sein Set allerdings recht schnell in einem Einheitsbrei von Trommeln und Bässen.
Uns viel auch auf das er keine Besonderheiten einbaute, keine mixtechnischen Leckerbissen zeigte oder innovative, spannungsaufbauende Einlagen brachte. Es schien alles nur ein weiterer, langweiliger Job für ihn darzustellen. Oder war es vielleicht das träge Basler Publikum, welches ihn nicht flashte?? Euphorische Schreie, wilde Tanzstimmung oder Rewindforderungen blieben aus. Es machte allerdings auch den Eindruck das er etwas Probleme mit der Monitoranlage auf der Bühne hatte. Eventuell war das dafür verantwortlich das er nicht aus sich heraus kam sondern eher ein solides, aber auch wirklich nicht besonders aufregend gemixtes Set, spielte.

Die Enttäuschung des Abends war in unseren Augen jedoch MC Fats. Er versuchte nicht im Geringsten Alle Anwesenden zu erreichen und zu vereinen. Im Gegenteil. Fats ging viel zu wenig auf das Publikum ein und brachte wirklich nur kurzzeitig Stimmung und Leben in das Geschehen. Es mag sein das Fats ein eher zurückhaltender MC ist und die Musik sprechen lässt. Es ist auch unsere Meinung das ein MC das Set eines DJs nur verbessern sollte und nicht zerreden sollte, doch Fats hätte mit seiner Erfahrung merken müssen das es mit an ihm liegt jetzt das Ruder rum zu reißen um die Party auf den Höhepunkt zu führen.
Es war wirklich erstaunlich das immer mehr Gäste gingen und sich die Halle langsam aber sicher leerte.
Auch uns hielt der Abend keineswegs in seinem Bann und so verließen wir gegen Viertel vor 4 Uhr das Geschehen. Zu diesem Zeitpunkt waren ungefähr 50 % der zuvor anwesenden Junglefans bereits gegangen.

Für Viele war es natürlich auch ein langer und harter Tag in den Straßen von Basel, doch eine stimmige Afterparty hätte die Menge eventuell doch dazu bringen können länger vereint zu bleiben und bis zum Schluß zu feiern und zu tanzen.

Alles in Allem war es allerdings ein supergeiler Tag in Basel und wir freuen uns sehr auf nächstes Jahr. Hoffentlich schaffen es die Jungs und Mädels von Radio X und vom Jungle Street Groove Verein im Jahr 2005 wieder die Behörden davon zu überzeugen das diese Veranstaltung eine kulturelle Bereicherung für die Stadt Basel ist und man weiterhin an ihr anhalten sollte.
Wenn ihr genaueres über den Jungle Street Groove erfahren wollt dann besucht doch einfach mal die Homepage www.junglestreetgroove.ch

Dort gibt es auch informationen wie IHR eine Groovetruck gestalten könnt oder dem Verein beitreten könnt falls ihr Lust habt. Diese Veranstaltung braucht unbedingt internationale Unterstützung.

Support the scene – doesn't matter where!!!!
Drum n Bass is alive!!!!

Philip, Breakbeat Movement
Freiburg
www.go2jungle.com
20.11.2017, 16:33 h | 9 Junglists online