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Popkomm 1997


Veranstaltung: Popkomm 1997  
Datum:   15-16.08.1997  
Location:   various  
Stadt:   Köln  
DJ's:   Krus, Bailey, Greenman, Herb LF, Die, Roni Size, Krust, Megashire, Phoneheads, ...  
MC's:   Dynamite, GQ, DMC Quincy ...


Review von Jan

Popkomm bedeutet seit 3 Jahren ( Hype im Oshos) fette Jungle Parties. Und jedes Jahr müssen Anzahl und Line-ups des letzten Jahres übertroffen werden. Popkomm halt. Spätestens dieses Jahr wurde die ganze Sache aber völlig absurd. Wo sich Parties mit mehr als einem Engländer, das Jahr über, an einer Hand abzählen lassen, mußte man sich an diesem Wochenende teilweise zwischen 3 Events entscheiden. Doch von vorne:

Und das heißt für mich Freitag, kurz vor Sonnenuntergang, Entity hat zu einer gediegenen Open-air nähe Mediapark geladen. Die Stimmung ist entspannt und die Gesellschaft beinahe geschlossen. Man checkt, chillt und sprüht sich gegenseitig mit Autan ein, während Greenman, Guido von Subtown und Herb als Gastgeber für passende Untermalung sorgen. So ab 23:30 Uhr verläuft sich denn aber das Ganze, um sich in ein paar Stunden beinahe vollständig wieder im ACC am Rhein zu treffen. Reprazent gewinnt also bei den meisten gegen Metallheadz (was aber wohl eher mit dem ansonsten seltsam gemischten Line-up im Wartesaal zusammen hängt).

Bristol's in the house mit Die, Roni Size, Krust und MC Dynamite und das alles alongside the one and only the Rider! Doch der erste Hammer kommt von ganz unerwarteter Seite: Während man draußen angenehm kühle Rheinuferbrise schnuppert, zieht es einem in der riesigen Location fast die Füße weg. Eine schwüle, sauerstoffarme Hitze raubt einem den Atem. Dennoch, fünf Minuten und zwei Bier später, man fühlt das nasse T-Shirt schon gar nicht mehr kleben, funktioniert das ganze doch. Dynamite macht Stimmung während der Hype des Jahres sein Programm durchzieht und genauso schwitzt wie alle anderen auch.

Beinahe pünktlich tritt Grooverider an die Tables. Zu Beginn des Sets etwas orientierungslos in der Auswahl seiner Stücke, erkennt man doch bald die sichere und unverkennbare Handschrift des Meisters. Die Halle rockt und schwitzt und rockt.

Schade nur, für die doch mittlerweile auch ziemlich bekannten deutschen Acts wie Megashira, Phoneheadz etc. Sie dürfen sich nicht nur die noch schwülere 1. Etage teilen, sondern können halt einfach auch nicht gegen die Jungs unten anstinken und müssen teilweise vor sehr lichten Reihen spielen. Popkomm halt.

Trotz allem ein fetter abgerundeter Abend, nicht zuletzt auch für die Veranstalter und deren Getränkeumsatz.
Nach einem ruhigen Samstagnachmittag, weitab vom wichtigen Popkommrummel, stand die nächste Entscheidung an. Mo Wax samt DJ Shadow und Peshay im Wartesaal gegen Ed Rush, Danny Breaks, Bailey, Boymerang und MC GQ im Müngersdorfer Schwimmstadion. Die Entscheidung fällt schwer. Ich sehe an diesem Abend langjährige Freundschaften zerbrechen, eingefleischte, coole Cliquen lösen sich auf, und einer anonymen Stichwahl, die mit 4 : 3 ausgeht, verdanke ich meinen Aufenthalt im Schwimmbad.

Schon aus dem Auto heraus erfährt man die ganze Bandbreite dieser Veranstaltung. Dub-Ragga-HipHop, House (10m Turm heute geschlossen) und Trip-ich kann Dich nicht zuordnen-Hop, alles da auf diesem riesigen Gelände. Nur, where are the breaks? Hey, das ist doch GQ irgendwo. Da! Ganz hinten in einer ruhigen Ecke auf einer Anhöhe gelegen erstreckt sich die Tanzfläche auf ganzen 5 mal 10 Metern. Die Stimmung ist gut. Ed Rush im gewohnten Stil, techsteppender weise, übergibt an Danny Breaks. Der beginnt ein wenig zu trocken für meinen Geschmack, so daß ich mich entschließe ein wenig Kulturtourismus zu treiben. Also einen großen Bogen schlagen, vorbei an badenden Kids, Bacardi Breezer Ständen, Red Bull Minis usw. Teilweise recht befremdliche Musik für meine Drum&Bass geschädigten Ohren. Trotzdem, so soll Open-air sein. Dem Wunsch nach Harz wird sofort entsprochen, so daß man sich in der Nähe des mittlerweile sehr angenehm auflegenden Danny Breaks erstmal Wichtigerem widmet...

Wenige Zeit später übernimmt Bailey die Decks und überzeugt mit einem gemischten Set nach Metallheadz-Art. Grund genug sich wieder in die Enge zu stürzen. Die Luft brennt und GQ weiß genau, wann er's Maul aufzumachen hat. Die Jungs verabschieden sich nur leider viel zu früh. Doch überraschender Weise macht das fast gar nichts. Denn Baßgesicht Sascha kann heute auf ganzer Linie überzeugen. Es rumpelt und berzt aus allen Ecken, fiese Elektro-Samples graben sich in meine Magengrube. Irgendwann stößt DMC Quincy dazu und unter der brennenden Luft kocht nun auch die Tanzfläche. Stop. ??.

Die Party ist vorbei. Quincy versucht das ganze noch zuretten. Man habe den Stecker gezogen, das könne es doch noch nicht gewesen sein... Die Menge grölt und ist entrüstet! Aber es hilft alles nichts. Die Party ist vorbei und die Leute sauer. Ob's jetzt an evosonic selbst liegt oder an der Stadt und irgendwelchen stinkenden Nachbarn spielt keine Rollen. Auf diese Art beendet man einfach keine Party. Das Wort Kotzen ist in den folgenden 10 Minuten eines der meistgebrauchten. Nun ja. Mangels Nachfolgeveranstaltung verläuft sich alles. Popkomm halt.

Der Text erschien auf breakzine.de und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.
18.11.2017, 11:24 h | 6 Junglists online