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Cityreport - Rhein-Neckar Area, November 2007


Rhein-Neckar AreaIm Spektrum der elektronischen Musikstile waren die gebrochenen Beats in der Rhein-Neckar Region schon immer stark. Erst das milk!, dann der große Jungle-Hype mit den Future- und Meditation Raves und später „Drum’n’Bass“ mit erfolgreichen Clubnights wie dem Phaze Club oder größere Events wie „Kings of the Jungle“.

Doch wie ist es um die Szene in 2007 bestellt? Wir haben nahezu alle Aktivisten, DJs, Promoter der Region zum Thema unabhängig voneinander befragt. Von den Antworten die wir erhielten - denn nicht jeder hat Feedback gegeben - haben wir diesem etwas anderen Cityreport zusammengestellt.


"Es werden große Events mit vielen UK-Artists veranstaltet, die verhindern, dass kleinere Partykonzepte auf Dauer überleben können. Diese Veranstaltungen warten meist mit relativ konservativen Konzepten auf. Was wiederum im Rücktransfer meist dazu führt, dass die innovativeren Ausreißer entsprechend wenig Erfolgsaussichten haben.

Gerade im Vergleich zu Lokalaktivisten werden zu hohe Booking-fees für UK-Artists bezahlt (und zu geringe an local-artists). Somit wird den nichtlokalen Artists ein viel zu hohes Gewicht  beigemessen (seitens der Veranstalter und folglich auch seitens der Partygänger).

Die Drum’n’Bass Szene im Rhein-NeckarDreieck und ihre Veranstaltungs-Szene erscheint übersättigt (historienbedingt).

Es gibt vergleichbar wenig tatsächlich realisierte Labelkonzepte im  DnB-Kontext Mannheim und Umgebung. Die vorhandeneren infrastrukturellen Gegebenheiten und Humanressourcen  müssten eigentlich ein anderes Resultat (als das vorhandene)  erwartbar machen."

Bad Boy Kaiza (Tilt Rec., Trio-Music, Mannheim)

 

"Ich finde dass sich hier im Rhein-Neckar-Kreis, Drum’n’Bass mäßig, einiges geändert hat.

Der Sound, die Parties an sich, das Publikum. Es fehlt an sauberen Clubs mit einer guten Atmosphäre und Sound & Lightsystems. Natürlich ist das alles eine Kostenfrage für manch Promoter. Aber ich denke, da wäre es an der Zeit mal wieder zu investieren.

Mir ist auch aufgefallen, dass sich mehrere DJ/Producer Grüppchen gebildet haben, die zwischen den ganzen Drum’n’Bass Genres wie Neuro, Jumpup, etc. stark differenzieren und  sich abgrenzen. Das finde ich persönlich sehr schade. Da sollte sich was tun.

Ansonsten ist der Rhein-Neckar-Kreis sehr fresh am Start. Hier gibt es viele gute Artists & Talente, die sich auch gegenseitig unterstützen und teils eigene Projekte auf die Beine stellen. Das bringt der Szene Aufschwung und belebt die ganze Geschichte. DnB will never die!"

DJ Connecta (High Times, Formation Rec., Mannheim)

 

"Die Situation der D&B Szene ist leider in den letzten Jahren nicht besser geworden. Sie stagniert und entwickelt sich leider nicht so weiter wie erhofft. Den oder die Schuldigen dafür zu finden ist jedoch schwierig. Alte Headz & User bleiben fern, es kommen leider auch kaum Neue dazu. Es gibt zu viel Neid und zu viele Hater & Imitators in der Szene!

Zudem gibt es ein Überangebot an Events. Viele davon sind leider nicht sehr qualitativ! Dazu kommt, dass der Euro nicht mehr so locker in der Tasche sitzt, da das Leben allgemein teurer geworden ist. Auszugehen ist leider Luxus geworden! Wir brauchen unbedingt mehr frische & neue Leute, die sich für die Musik & die Szene begeistern und sich damit identifizieren können!"

Christoph aka Red Busta Flex (Royal Rumble, Heidelberg)

 

"2007 war realistisch betrachtet ein recht trauriges Jahr. Natürlich gab es einige Highlights, diese kann man aber an einer Hand abzählen. In der Region fehlt das Feuer! Es gibt immer noch die gleiche, wenn nicht sogar eine gestiegene Anzahl von Drum’n’Bass Fans, welche man aber nicht aus ihren Löchern locken kann. Warum das so ist, kann ich nicht genau sagen, da ich meine, dass mehrere Faktoren eine Rolle spielen.

"Mangel an neuen Locations" ist für mich einer der großen Gründe. Es gibt nichts Neues – die Besucher sind gelangweilt.

"Aufsplitting der Musikrichtung": Es haben sich Facetten im Drum’n’Bass gebildet, die sich nur ihrem Sound beschränken. Liquid, Neuro...es ist schwer das alles unter einen Hut zu bekommen.

"Eintrittspreise zu hoch": Doch was für eine Wahl haben denn die Veranstalter, die Kosten müssen gedeckt werden?!

"Headliner-Mangel": Es gibt kaum noch Acts, welche die Masse ansprechen. Sie waren alle schon 1000 Mal hier zu sehen und bringen auch keine super Leistungen mehr. Man hört ständig wieder, wie enttäuscht viele von DJ XY waren.

„Überangebot“: Die Vergangenheit hat uns eingeholt! Es gab seit 1995 sehr viele Events, die auch alle sehr gut gelaufen sind, doch irgendwann ist dies auch mal vorbei. Zu lange das gleiche Konzept, die gleichen Locations, die gleichen Acts…

„Zu viele Köche verderben den Brei“: Es gab eine Zeit, in der jeder dachte, er muss nun Promoter werden. Durch die schlechten Besucherzahlen hat sich dies langsam von selbst behoben.

"Publikum": Es ist auch Fakt, dass sich auf den größeren Events hauptsächlich nur junge Leute tummeln, was ja vollkommen in Ordnung und auch positiv auszulegen ist. Doch haben sich viele wohl nicht unter Kontrolle, randalieren, zerstören, schlagen sich und verbreiten aggressive Stimmung. "Bad attitude". Sind wir nun beim Hiphop oder was?

Dort fühlt sich die ältere "Peace & Love" / "It's all about the music" - Generation dann doch nicht mehr so heimisch und bleibt wohl lieber fern. Bring back the feeling!

Auffallend ist, dass die "normalen" Clubabende (mit einem Gast DJ), wie früher z.B. vom Phaze Club oder Royal Rumble praktiziert, kaum noch funktionieren. Wohingegen der Zulauf auf den größer angelegten und promoteten Events noch ganz passabel ist. Positiv waren in 2007 Bookings vieler noch nicht in Mannheim gewesener oder momentan in der Szene heiß gehandelter Undergroundacts wie Danny Byrd, TC, Chase & Status, Klute, Alix Perez, Logistcs, etc.

Ebenso positiv ist auch, dass einige heimische Produzenten ihren Durchbruch hatten, vermehrt gute Tracks aus dem Delta kommen und auch die DJs und MCs einen hohen Qualitätsstandart haben und national, sowie international, gern gesehene Gäste auf Events sind… und es geht weiter voran!

Drum’n’Bass in Mannheim ist nicht tot und wird es auch niemals sein!"

E.Decay (U3R-Music, Rawhill)

 

"Mannheim ist im Bereich Drum’n’Bass nach wie vor sehr stark. Das freut mich natürlich, denn nur in Mannheim kann eine dnb Veranstaltung unter der Woche in einer Stadt dieser Größe überhaupt existieren. Leider hat die Szene in meinen Augen ein großes Problem mit Vandalismus und Zerstörung der Locations. Diese Erfahrung haben auch wir machen müssen. Es kann nicht sein, dass nahezu regelmäßig auf Veranstaltungen, auf denen mehr als 10 Leute sind, mutwillig verursacht zigtausend € an Schaden entstehen. Das nimmt Clubbesitzern und Veranstaltern den Spaß und die Motivation.

Die Größe der Mannheimer Szene, und die damit einhergehende Professionalität, hat dazu geführt, dass sich Drum’n’Bass von anderen Musikstilen abgekapselt hat. Das Publikum und die Veranstaltungen sind stark getrennt von anderen Clubsparten - ein Großteil des Publikums geht nur und ausschließlich auf Drum’n’Bass weg. Dadurch hat sich die Szene ihren eigenen Mikrokosmos geschaffen, in dem sie existiert. Hinzu kommt, dass es in Mannheim (und der nahen Umgebung) sehr viele Veranstalter gibt, die ihre Partys entweder fürs Geld machen, oder aber aus purer Leidenschaft an der Musik. Beides ist nicht zu verurteilen und wir brauchen beide. Nur ist meiner Meinung nach das eigentliche Anliegen einer Party zu sehr aus dem Fokus geraten: nämlich die Party an sich. Es ist doch meistens dann stimmungsmäßig ein Erfolg, wenn der Veranstalter seine Freunde und Crew versammelt und somit schon ein gesunder Satz an Menschen sowieso dort ist, die Stimmung machen. Was in Mannheim zurzeit fehlt, ist eine reife Veranstaltungsreihe mit undergroundigem Booking, strenger Tür und somit auch Publikum, das mit Drogen umzugehen versteht. Ich vermisse das Network oder den Phaze Club im Zimmer."

DJ Fileas (Ninos del Sol @ SOHO Club, Mannheim)

 

"Noch immer wird Mannheim als deutsche Drum’n’Bass -Hauptstadt angesehen, was wohl auch noch eine ganze Weile so bleiben wird. Es herrscht zwar eine enorme Vielfalt an Drum’n’Bass-Parties, die das ganze Musikspektrum abdecken - jedoch ist Mannheim speziell durch die Großveranstaltungen (Royal Rumble, Kings of the Jungle, Meditation, e.motion...) bekannt geworden. Jahrelang hat ein UK-Überangebot die Leute verwöhnt, wodurch kleinere Veranstaltungsreihen enorme Schwierigkeiten haben sich auf Dauer beim Publikum durchzusetzen.

Die Mannheimer DJs & MCs haben deutschlandweit einen guten Ruf. Denn wer sich auf diesem heißen Pflaster durchsetzt muss schon eine gewisse Qualität mitbringen.

Leider wird in unserer Region aber oftmals Quantität der Qualität vorgezogen und viele deutsche Artists werden sowohl von den Veranstaltern wie auch den Ravern komplett außer Acht gelassen. Artists probieren sich teilweise bei den regionalen Veranstaltern mit ihrer Gage zu unterbieten und wer Auswärtsbookings hat, weiß danach den Respekt anderer Veranstalter sowie die enorme Erwartungshaltung der Gäste zu schätzen.

Ein weiteres Problem der Mannheimer Szene sind die Überschneidungen diverser Veranstaltungen, wodurch sich die Szene spaltet anstatt miteinander zu feiern.

Auf der einen Seite ist es schön, dass es so eine große Vielfalt an Artists und Parties mit verschiedenen Stilrichtungen gibt, jedoch ist es sehr schade, dass zu wenig miteinander gearbeitet wird.

Mannheim wird auch in Zukunft eng mit Drum’n’Bass verbunden bleiben und es ist (fast) immer ein Erlebnis hier zu spielen & zu feiern!"

DJ Freeze (Ludwigshafen)

 

"Momentan ist es wirklich extrem erschreckend und höchst bedenklich, was die Drum’n’Bass Szene im Rhein-Neckar Delta betrifft. Die wenigen langjährigen, regelmäßigen und über den Zeitraum betrachtet erfolgreichen Clubnights wie Fight-, Phaze-  und Dynamite-Club sind wegen Locationproblemen, im weitesten Sinne, verschwunden.

Es gibt derzeit absolut nichts Erwähnenswertes, Regelmäßiges oder Ernstzunehmendes mehr in Sachen Clubnights. Neben Events und Raves wie Kings of the Jungle, Emotion oder Royal Rumble ist absolut nichts geblieben, was die eigentliche Drum’n’Bass Clubkultur supportet bzw. eine anständige Homebase für D&B-Liebhaber bietet. Die Besitzer von den „besseren“ Clubs bzw. Locations haben schon längst keine Lust mehr auf das Drum’n’Bass Publikum hier.

Ich selbst bin heilfroh, wenigstens als DJ bzw. Artist, die Möglichkeit zu haben regelmäßig in ganz Deutschland und im Ausland spielen zu dürfen. Denn – ganz ehrlich – wenn ich nur das Rhein-Neckar Delta als D&B Horizont hätte, wäre mir die Lust längst vergangen.

Ansonsten gibt es hier natürlich DJs wie Sand am Meer, Produzenten allerdings nur einige wenige und neben meinem eigenen Drum’n’Bass Label, welches seit 2001 seinen Sitz  in Mannheim hat, fällt mir gegenwärtig kein weiteres aktives Label ein.

Fazit: Drum’n’Bass im Rhein-Neckar Delta ist derzeit – im Gesamten gesehen – ein Trauerspiel auf ganzer Linie."

DJ Freesteppa (Steppasoundz Rec., Mannheim)

 

"Ich denke Drum’n’Bass keinen falls tot oder dabei auszusterben! Im Gegenteil Drum’n’Bass wächst weltweit aber auch in Mannheim.

Sicher gehen hier nicht mehr die Mega Raves wie früher, aber das ist auch kein Wunder bei der heutigen Menge an Veranstaltungen. Früher war eine Party im Monat, wo man 10 UKs sehen konnte. Heute sieht man die 10 UKs verteilt über den Monat in verschieden Clubprojekten auf 5 verschiedenen Partys! Wobei man nicht vergessen sollte, dass es heute auch sehr viel deutsche Artists gibt, die den UKs das Wasser reichen können! Meines Erachtens wird die Musik durch wöchentliche Clubprojekte wie Ninos del Sol, Butterfly Experience, Liquid Monday usw. extrem zugänglich für Dritte gemacht, die sich evtl. auch mal auf einem Rave wiederfinden! Daher zeigt sich, dass es immer noch funktioniert! Big Up an diese Projekte!

Insgesamt ist die Situation zufriedenstellend für jede Richtung von Drum’n’Bass!"

DJ Gunfire (Passion Crew, D&B Nightclub, Mannheim)

 

"Aus meiner Sicht sieht die momentane Situation folgendermaßen aus: Drum’n’Bass ist derzeit wohl am Leben in der Rhein Neckar Region. Allerdings sehe ich, was die Clubkultur betrifft, einen Abschwung, der sich durch das sterben einiger langjähriger, regelmäßiger Veranstaltungen beweißt. Als Beispiel wäre sowohl der Phaze Club, Dynamite Club, Fight Club zu nennen.

Das Ravekonzept scheint allerdings weiterhin gut zu funktionieren. Leider ist dies wiederum ein Beweis, dass die Veranstalter im Laufe der Jahre nichts dazugelernt haben. Der anhaltende England- Hype ist leider ein Phänomen, welches so schnell nicht aussterben wird. Wie soll ein Raver/ Musikkonsument denn überhaupt deutsche Acts würdigen und kennen lernen, wenn auf sämtlichen Großveranstaltungen ausschließlich UK-Acts zu den Hauptzeiten spielen? Die Promoter solcher Events tragen die Hauptschuld an dieser Situation.

Zudem möchte man für deutsche Acts nur ein Trinkgeld oder bestenfalls gar nichts bezahlen. Dies ist der Grund weshalb ich persönlich lieber zwei Mal im Monat irgendwo anders auf einem Event auflege und die Maintime spiele, als hier für ein paar UKs das Warm Up für einen Apfel und ein Ei abzuleisten.

Dass das "Localkonzept" deutlich funktioniert, hat sich z.B. auf Events wie der „Homegrown“ gezeigt.

Ich hoffe, gerade für die Entwicklung und das Bestehen der Szene in der Rhein Neckar Region, dass sich die Partykonzepte ändern.  Denn nirgends ist der UK Hype so groß wie hier. Events werden auch für Raver bezahlbarer und damit attraktiver."

J Frequency (Dutty Rock, Nutta Beatz, Mix’ Blen Rec., Mannheim)

 

"Größere Raves mit den entsprechenden Lineups funktionieren in der Rhein-Neckar-Region zufriedenstellend bis gut. Regelmäßige Clubabende funktionieren nicht mehr und/oder wurden eingestellt (Dynamite Club, Phaze Club, Fight Club). Letzteres ist aber nicht ungedingt ein Mannheim-Problem. Schaut man 80 km nördlich, nach Frankfurt, – dort sieht es genauso traurig aus. Und schaut man sich die Lage in ganz Deutschland an – dort sieht es oft genauso aus. Face the facts: Der große Drum’n’Bass Hype ist lange vorbei.

Die „Basis“ hier in der Region ist meiner Meinung nach da! Es gibt viele junge Leute im Alter von 16 bis 20 Jahren, die sich für Drum’n’Bass begeistern. Wie man sie allerdings mobilisieren kann und eine gesunde und starke Szene wieder aufbauen kann – dafür habe ich keine Patentlösung.

Ein großes Problem ist auch die nicht vorhandene Auswahl an Locations für Veranstalter von Drum’n’Bass Parties. Aber das haben sich die Partygänger letztendlich selbst zuzuschreiben: Wer mutwillig Sachschäden in Clubs anrichtet, braucht sich nicht zu wundern wenn er immer nur die gleichen Locations, die natürlich irgendwann ihren Reiz verlieren, zur Auswahl haben.

2007 war meiner Meinung nach das schlechteste Jahr in Bezug auf Drum’n’Bass in der Rhein-Neckar Region überhaupt. Vielleicht geht es aus dieser Talsohle 2008 wieder bergauf. Zu wünschen wäre es, und das Potential ist da. Ich kann dem Nachwuchs nur raten: Werdet aktiv, macht was! Und das nicht gegeneinander, sondern miteinander.

Trotz der angesprochenen Situation sollte man eines nicht vergessen: Seit Mitte der 90er Jahre hat sich in der Region eine Infrastruktur entwickelt wie es sie wohl in keiner zweiten Stadt in Deutschland gibt. Es ist kein Zufall, dass Deutschlands größter Rave „Kings of the Jungle“ hier geboren wurde, dass Deutschlands größte D&B Onlinemagazine aus Mannheim kommen und dass so einzigartige Events wie Sun&Bass von Leuten aus der Rhein-Neckar-Region veranstaltet werden."

Kai (future-music.net, Mannheim)

 

"In der D&B Szene im Rhein Neckar Raum Szene beobachte ich momentan zwei kontroverse Entwicklungen:

1. Die Partyszene wird dominiert von großen Events, auf die sich die Mehrheit der Clubgänger einigen können. Kleinere & mittlere Events, sogar wenn es sich um UK Bookings handelt, haben es dagegen schwer, da die D&B Raver einfach nicht genug Geld haben um neben den zahlreichen Großevents auch noch auf mittlere und kleinere Parties gehen zu können. Warum soll ich für eine Party mit 2 UK DJs und einem UK MC 10,- Euro zahlen, wenn ich für 20,- Euro mehr als die doppelte Anzahl von Artists auf einer großen Party bekomme!? So denken viele.

2. Immer interessanter wird die Situation jedoch für hiesige Produzenten, da sich der Ruf der deutschen D&B Produktionen ständig verbessert und sich mittlerweile auch eine steigende Nachfrage in UK für D&B „Made in Germany“ abzeichnet. Bis sich diese Entwicklung aber auch auf die Partyszene auswirken wird, bis dahin wird es noch ein weiter und schwerer Weg für deutsche D&B Artists, speziell in unserer Gegend/Szene. Auf längere Sicht sehe ich die Situation jedoch positiv, so dass die oben beschriebene Entwicklung der DnB Rave Szene nicht für immer andauern wird. Der nötige Enthusiasmus und Durchhaltewille, aber vor allem der Spaß am Drum’n’Bass ist jedenfalls sehr stark in der Szene der Aktivisten vorhanden!"

Matthias Heinstein (Bassline Generation, Heidelberg)

 

"Ich bin nun schon über 10 Jahre aktiv in der Szene dabei und mir ist auch dieses Jahr wieder aufgefallen, dass Partys mit qualitativ hochwertigen Artists immer weniger besucht werden. Die Leute in Mannheim sind kaum offen für neue Sounds bzw. neue Artists. Hingegen sind Partys auf denen schon seit 10 Jahren die gleichen DJs und MCs gebucht werden, sehr gut besucht.

Alles in allem vergessen die Konsumenten, dass eine Musikrichtung eigentlich nur dann am Leben erhalten werden kann, wenn mal neue Sachen kommen, die nicht unbedingt das bereits angesprochene Massenappeal aufweisen, aber das Potenzial haben was zu bewegen, denn was gut ist braucht nicht den Hype eines unmittelbaren Umfelds oder Kreises, in dem man sich ohnehin schon bewegt. Wirkt mit, tut was für die Szene, seit offen für neue Sachen und setzt euch mehr mit der Musik auseinander!"

René (baesse.de)

 

"Mannheim ist nach wie vor die Hochburg des in Deutschland; jedoch über seine Grenzen hinaus nur bekant für seinen großen UK Raves. Aber der Untergrund schläft nicht. Immer wieder versuchen kleinere Gruppierungen ihren Style den Leuten näher zu bringen. Allerdings werden kleinere Clubabende immer mehr die Ausnahme – egal ob mit UKs oder ohne. Leider ist der Nachwuchs nicht gerade „groß“ in unserer Region. Das wird sich auf die Lineups aus.

Zudem mangelt es an Locations. Zum Teil sind bis zu drei Promoter auf eine Location angewiesen. Sehr viele gute Clubs in Mannheim sind nicht bereit Drum’n’Bass Abende zu unterstützen. Damit ist die Sache mit den Locations ein wichtiges Thema für die Zukunft."

DJ Sickhead (NSF Crew, Mannheim)

 

"Ich bin 1995 wegen Drum´n´Bass nach Mannheim gezogen. Heute könnte man wegen Drum’n’Bass höchstens noch aus Mannheim flüchten!

Die Szene schrumpft seit einigen Jahren unaufhörlich - es kommt wenig  Nachwuchs und die wirklichen D&B Liebhaber bleiben den meisten  Veranstaltungen fern, größtenteils wegen unwürdiger Locations und immer jüngerem, drufferen und in letzter Zeit auch mehr und mehr aggressivem Publikum.

Mannheim krankt an einer UK- / Headliner- Fixierung; kaum jemand geht hier vor die Tür, um gute oder gar gleichwertige lokale DJs zu hören. Lokale Größen bekommen von der Masse der Mannheimer keinen Respekt. Außerdem scheint Mannheim die einzige Stadt in Deutschland zu sein, wo schlechte MCs, die anderswo nicht als solche bezeichnet werden würden, regelmäßig gebucht werden oder auch ungebucht in Rudeln auftreten und ganze Parties zerstören, indem sie ungefragt das Mikrophon penetrieren.

Locationmangel, Locationmangel, Locationmangel. Selbst wenn sich einige Veranstalter, die mit dem Herzen dabei sind, um den Aufbau einer neuen Clubszene im Untergrund bemühen würden, sie könnten es gar nicht: Es gibt in der Region keine Clubs mehr, die gleichzeitig geeignet sind und für Drum’n’Bass zur Verfügung stehen würden. Die meisten Clubbesitzer haben Angst vor einem zu asozialen Publikum."

DJ Soulsurfer (Mannheim)


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21.11.2017, 18:11 h | 9 Junglists online