Frankfurt
am Main: Die Stadt mit den imposanten Wolkenkratzen der Banken und Versicherungen
aus aller Welt und dem Flughafen Rhein-Main als Drehscheibe im Europäischen
Flugverkehr hat auch im Clubsektor Einiges zu bieten. Lange Zeit als die Technometropole
gehandelt, entwickelte sich im Schatten der vielen, auch über die Region
hinaus bekannten Technoclubs und -DJs eine aus dem Underground kommende, mittlerweile
weitverzweigte Community von Drum & Bass Veranstaltern, DJs und Labels, die
in diesem Bericht beleuchtet werden soll.
FFM-Historie: XS, Dorian Gray, Box, ...
Die gesamte Drum & Bass/Jungle-Szene in Frankfurt begründet sich ohne
Zweifel auf den Freitag im XS Club am Theaterplatz, der einmal als Frankfurts
Wohnzimmer für x-tra ordinary, S-exy Clubbing gedacht, diesem damals brandneuen
Sound seit 1992 eine Plattform bot. Die Milk!-Posse um die Mannheimer DJs Bassface
Sascha und Groover Klein feierte hier jeden Freitag den neuen Sound von der Insel
ab und etablierte somit den Drum & Bass in Rhein-Main.
Die Krönung fand die Bewegung dann in den Euphoria Raves im Dorian Gray am
Flughafen, wo ab 1994 mit riesigen Line-Ups von fast allen DJ-Grössen aus
England legendäre Raves stattfanden. Nach den unvorhersehbaren, aber wohl
unvermeidbaren Schliessungen des XS und des Dorian Gray gab es dann aber auf einmal
keinen Club mehr, in dem regelmässig Drum & Bass lief und so beschränkte
sich die Szene zwischen 1995 und 1998 meist auf illegale Underground-Parties,
u.a. in den Michael Barracks in Höchst, dem Space Place, dem Exzess, oder
diverse One-Offs in Locations wie dem TAT und auch in dem einen oder anderen etablierten
Club, aber auch open-air unter Brücken am Mainufer oder auf den diversen
Nachttanzdemos. Öfter fuhr man in dieser Zeit auch zum ausgelassenen Feiern
in die Mannheimer Region.
Aus der "XS-Generation" kamen viele der heutigen Szeneleute, die eigentlich
immer aktiv waren und auch ohne einen wöchentlichen, festen Club den Drum
& Bass am Leben hielten. Im Nachfolgeclub des XS, der "Box" machte
z.B. Hannibal seine Homebase Parties, wo auch regelmässig Engländer
wie DJ Hype zu Gast waren. Und auch Stefan Enders sorgte für einen längeren
Zeitraum mit der Temptation Reihe für Aufsehen, die hauptsächlich im
neuen Gallus-Theater aber auch im Monza stattfand.
Einen festen Abend bekam dann die Precision Posse im Nachtleben unter der Konstablerwache,
wo samstags Kabuki und Miguel Ayala die Platten drehten. Auf die History des Drum
& Bass in Frankfurt wird demnächst noch in einem extra Bericht eingegangen.
Clubs & Events
Internationalen Standard haben die Bookings der Space
Breaks Reihe im Tanzhaus West, dem ehemaligen Space Place.
Die monatliche Clubnight der DJs Simon, Neon und Stefan Enders setzt auf grosse
Namen des Bizz, so konnte man in der letzten Zeit keine Geringeren als Flight,
Storm, Goldie, Bailey, Marky, High Contrast, MC Dynamite usw. begrüssen.
Im Februar feierte man mit DJ Hype das 5-jährige Bestehen. Und weitere grosse
Bookings sind für 2005 in Planung. So watch out.
Die Precision Crew macht die monatliche Veranstaltungsreihe Fuel im Offenbacher
Robert- Johnson, bei der sich die Residents Chopper, Miguel Ayala, Kabuki, MC
Ronin und MC Glacius regelmässig ihre nationalen und internationalen Wunschgäste
an die Decks holen, die sich für sie als würdig erweisen. Das Robert-Johnson
ist wohl einer der schönsten Clubs, der mit seinem grossem Balkon auch in
heissen Sommernächten zum gepflegten Feiern einlädt.
Nachdem Mitte 2004 die Fresh-Reihe der DJs Mad Vibes und Alex Crack in der O25,
der Ostparkstrasse 25, eingestellt wurde, wird hier nun seit Dezember 2004 wieder
monatlich dem gebrochenen Beat Respekt gezollt. Mit der Breaks
and the City Reihe von Rob-B, MC Bullit und DJ Public wird allerdings
neben Drum & Bass und Jungle auch den Stilen NuSkoolBreaks, funky Breakbeats
und Reggae/Dub ein fester Platz im Programm eingeräumt.
Eine wöchentliche Heimat finden Frankfurts Drum & Bass Headz im Untiy,
in dem an jedem Mittwoch von DJ Franksen initiiert, bei
Unity in Bass so gut wie alle Drum & Bass DJs der Stadt in Rotation
Platten bei freiem Eintritt auflegen und zu kühlen Drinks, aber auch zum
gepflegten Abfeiern einladen. Am Osterwochenende begeht Unity in Bass seinen einjährigen
Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch!
Die Veranstaltungsreihe Solid
Soul hat sich als Marke für souligen Drum'n'Bass etabliert und nach
einem festen monatlichen Abend im benachbarten Mainz nun auch 2004 in Frankfurt
für Aufsehen gesorgt. Auch 2005 wird wohl Einiges von der Solid Soul zu erwarten
sein.
Im Atelier hat die Beatpainters Crew seit kurzem ihre neue Heimat gefunden und
veranstaltet dort einmal monatlich am Samstag ihre Straight out of Low Cash
Parties, bei der neben DJs aus der Region auch Gäste von ausserhalb ihre
Platten auf den Turntables rotieren lassen. Der Club
Kiew ist meist in illegalen Locations beheimatet und bietet unter der
Regie von den DJs Josha, Yook und Blinky Bill zusammen mit der Monsoon Crew (mit
DJ/MC Kissy) die wohl undergoundigsten Parties von ganz Frankfurt, die immer einen
Besuch wert sind.
Radioshows und Sender
1997 wurde mit "Ruff FM" die erste wöchentliche Drum &
Bass Radiosendung Deutschlands auf dem nicht kommerziellen Radiosender Radio-X
(FM 101,4; Kabel 99,85) von den DJs Scoob-Reak, Kuttin Edge und Soniq initiiert,
die auch heute noch, aufgeteilt in die drei muskalisch differenzierten Formate
Krunchtime, FutureJazzSessions und Ruffmob, jedes Wochenende ausgestrahlt wird.
Auch der Hessische Rundfunk zog nach, liess aber mit der Umbenennung seines Senders
HR XXL in YouFM die wöchentliche "Outbreak" Sendung von Bassface
Sascha dem Quotendiktat zum Opfer fallen.
Somit ist heute Radio-X
der einzige Sender in Frankfurt, auf dem Drum & Bass gespielt wird. Regelmässige
Sendungen im Rahmen der DJ-Night wie "Music for a Hard Life"
von den System Killaz, "Art of Rollin'" mit der AOR Crew um Simon,
Chopper, Miguel Ayala und MBR oder die Monsoon Crew halten hier die Fahne für
den gebrochen Beat hoch.
TV
In unregelmässigen Abständen läuft auf dem "Freien Kanal"
die Sendung "Rinse Out TV", bei der schon DJs wie Alley Cat, Peshay,
Storm, High Contrast und vor kurzem DJ Hype erst ein kurzes Interview geben und
dann 50 Minuten lang live in the Mix aufgezeichet werden.
Labels
Die Label-Landschaft wurde und wird eigentlich bis jetzt nur durch das erste Frankfurter
Drum `n Bass Label Precision geprägt, das mit Acts wie Kabuki, X-Plorer
& Dee-Pulse, Miguel Ayala oder Pentagon seit 1996 eine eigene Definition von
Drum & Bass liefert.
Chopper und Miguel Ayala sind ausserdem mit ihren Labels The Art of Rollin und
Socio aktiv, letzteres hat es immerhin schon auf fünf Releases gebracht.
Seit kurzem ist nun mit Blusaphir
das neue Label von DJ Rome am Start, das in diesen Tagen seinen ersten Release
feiern konnte.
Plattenläden
Freebase
Petersstrasse 2 / Ecke Bleichstrasse
60313 Frankfurt am Main
Tel 069-13376255 / 56 (Fax)
AP: Miguel Ayala, Chopper
ProVinyl
Elefantengasse 19
60313 Frankfurt
Tel 069-1310952
AP: Josha
Text: Martin Gödde, Solar
Penguin Agency (Februar 2004)
Dieser Report spiegelt den aktuellen Stand im Februar/März 2005 wieder. Wir
erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Manches wurde bewusst außer
Acht gelassen oder aber unbeabsichtigt vergessen. Ihr habt Kommentare / Fragen? Diskutiert den Cityreport
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