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Cityreport - Hannover, Dezember 2004


Hannover gehört neben, Berlin, Köln, Mannheim und München zu den Städten in denen sich Breakbeat und Jungle schon Anfang der 90er Jahre etablieren konnte. Die Musik hat eine lange Tradition in Hannover wie im Hannover Cityreport aus 1996 zu lesen ist.
Von "Strictly Breakbeat" Mitte der 90er über Hannover Open und Kings of the Jungle in 2004 - aber lest selbst...


Historie - Drum'n'Bass in Hannover

Hannovers Drum&Bass-Geschichte lässt sich bis ins Jahr 1993 zurückdatieren. Angefangen hat alles in dem legendären Weltspiele-Kino, welches leer stehend als Partylocation gedient hat. Bei der Veranstaltungsreihe Ravesyndrome haben sich zu dieser Zeit bereits DJ-Größen wie Grooverider, Hype, Sy usw. die Ehre gegeben.

Vom Weltspiele verlagerte sich das Jungle-Geschehen 1994 auf das Hanomag-Gelände, wo Steffi alias DJ Phaze im Cyberhouse die "Strictly Breakbeat" Reihe ins Leben rief. Anfangs als Experiment gedacht schlug gleich der erste Event so erfolgreich ein, dass dieser Reihe eine rosige Zukunft bevor stand. Es spielten von 1994 bis 1996 im Monatstakt alle damaligen UK Jungle-Größen wie z.B. DJ Hype, Mickey Finn, Rap, SS, Phantasy, C. Smooth uvm. und machten das Tor I zum norddeutschen Jungle-Mekka. Parallel dazu lief im Fisch eine ebenfalls sehr erfolgreiche Jungle-Reihe an, bei der unter anderem Leute wie LTJ Bukem, J.J. Frost und einige andere zum ersten Mal Hannover einen musikalischen Besuch abstatteten. Als Locals gebührte in dieser Zeit Moonshadow, Timothy Cosmo, DJ Mogli und der bereits genannten DJane Phaze der Respekt, den Sound in Hannover erstmals gespielt und etabliert zu haben.

1996 begann parallel im damaligen "Takt" (heute "Labor") eine weitere Jungle-Partyreihe zu entstehen, welche direkt in einer der ersten Ausgaben Hannovers heutiges Aushängeschild in Sachen Drum&Bass "DJ Bass Tikal" hervorbrachte. Er wurde von DJ Mogli entdeckt und mit ins Boot geholt. Einige Events später begaben sich die beiden in ein Kollektiv von Jungle-DJs zu DJ Amaning und Danny Delight. Zusammen starteten die vier 1996-1997 eine Partyreihe im Gig namens "Steppers Delight" welche unter Anderem Artists wie Shy FX, Sebel u.v.m. neben dem eigenen Kollektiv präsentierte.

1998 taten sich Veranstalter Roman Herbst und Sebastian Wolters aka DJ Bass Tikal zusammen, um ein neues Projekt namens "Steppin Forward" ins Leben zu rufen. Hierbei handelte es sich zum einen um einen variablen Pool von Jungle/D&B-Künstlern und zum anderen um eine gleichnamige Veranstaltungsreihe. Steppin Forward setzte sich primär das Ziel, die landeseigene Szene zu fördern und dem hannoverschen Publikum zu präsentieren. Unter den Steppin Forward Fittichen spielten von 1998-2004 u.a. nationale Top-Acts wie MTC Yaw, Rollin B, Lightwood & Telmo A, E.Decay, Racoon, Dato-Crew, ND & Dex, XL, Tease, Judge D & Triple T. usw. Aber auch internationale Acts wie Steppa & Mojo (UK) und einige andere brachten weiterhin konstant frischen Wind in die steppende Gemeinde.

Höhepunkt der konstanten Nachwuchsarbeit von Steppin Forward war 2002 ein neu ins Leben gerufenes Festivalkonzept, welches German D&B mit einem Fußballturnier verschmelzen ließ. Die Rede ist von den Hanova Open, auf welchen über 40 nationale D&B Acts erst auf dem Fußballfeld und später an den Turntables ihr Können unter Beweis stellten und den Beweis lieferten, dass ein großartiger Zusammenhalt unter den Künstlern herrscht und soundmäßig nach wie vor Riesenpotential in den eigenen Reihen schlummert.
Kurze Zeit nach diesem Event starteten die Macher des Reggae Dancehall-Soundsystems Audiotop zusammen mit Steppin Forward die Partyreihe Family Affair im Veranstaltungszentrum Faust. Hier ging das Konzept der parallelen Präsentation der beiden Musikgenres D&B / Reggae Dancehall voll auf, und Hannovers immer zahlreich erschienenen Musiclovers bekamen Schmankerl wie Shimon & Sugars, Giana Brotherz, N.Phect & Dizplay, Humpty C., E.Decay, Loo-P und viele mehr geboten.

2004 wagten dann Deutschlands größte Veranstalter im D&B-Geschäft den Weg nach Hannover und brachten die dicke Veranstaltungsreihe namens "Kings of the Jungle" in die niedersächsische Hauptstadt. Ein hoffnungslos überfülltes Capitol bot den Beweis, das D&B in Hannover absolut etabliert ist, und Acts wie Grooverider, Goldie, Zinc, Friction, Aphrodite und die deutsche DJ-Elite ein Riesenpublikum ansprechen. Auf eine Fortsetzung dieses Events warten alle Hannoveraner sehr gespannt.

Masters of Ceremony

Im MC-Bereich haben sich drei Hannoveraner im Laufe der Jahre regional wie auch überregional einen hervorragenden Namen gemacht: MC Mex-e, MC Stunnah D und MC Benski. Diese drei hosteten in den letzten Jahren in Hannover nahezu jeden Event und sind nach wie vor die meist gefragtesten in ihrer Heimat.
Neben den bereits erwähnten Personen sind die DJs Freak und Escalade die Aktivsten im lokalen D&B Umfeld.

Labels

Weiterhin zeichnete sich seit Ende 2003 die Entstehung zweier hannoverscher D&B Labels ab. Incubation Records (gegründet von Hannovers ehemaligem Oldschool Breakbeat Urgestein Rouven Fehr aka DJ Insanity und Phillip Preuß): Diese beiden produzieren gemeinsam sehr erfolgreich unter dem Pseudonym "Destination Unknown" und haben im Oktober 2004 ihre erste Veröffentlichung zusammen mit den Giana Brotherz auf der Flipside realisiert: Giana Brotherz - The Float / Destination Unknown - No Escape (Cuba01).
Es sind weiterhin viele frische Stücke in der Pipeline und warten auf ihre Veröffentlichung.

Parallel dazu entschlossen sich Roman Herbst & Bass Tikal ebenfalls dazu, die Musiklandschaft mit einem eigenen Label zu bereichern, welches allerdings in der Abgrenzung zu Incubation eher den liquid soulful D&B voranbringen soll. Als erster Release von Phunkfiction Recordings steht ebenfalls seit Oktober 2004 die Compilation CD "The Breakbeat Lounge" in den Ladenregalen. Sie wurde zusammengestellt und gemixt von DJ Bass Tikal und bietet einen tiefen Einblick in die Landschaft des oben beschriebenen Sounds unter Berücksichtigung einiger der wichtigsten nationalen und internationalen Acts wie Syncopix, Stare, Twintone, Duo Infernale u.v.m..
Passend zu der CD-Compilation betrieben die BreakbeatLounge-Macher eine gleichnamige Clubnight in der Gig Lounge sowie später im Masa Loft bei jeweils gediegenstem Lounge Ambiente, ohne jedoch Platz und Sound für heiße Dancefloor-Actions zu vernachlässigen.
Im direkten Anschluss an die Compilation wird im Februar 2005 das erste Vinyl des Labels das Licht der Erde erblicken. Hierfür haben sich die beiden das aufstrebende Kölner Produzententrio AJC (Amaning, J-Cut und Canoma) ins Boot geholt. So findet mit Amaning ein ehemaliger Hannoveraner den Weg zurück an die alte Wirkungsstätte. Sie liefern zwei wunderschöne soulful D&B Nummern, die sowohl dem ersten Vinyl Release von Phunkfiction Rec. wie auch ihrem eigenen ersten Release absolut würdig sind.

Text: Sebastian Wolters (Dezember 2004)
30.10.2014, 19:57 h | 7 Junglists online