Die Saarländische Jungle-Szene ist nach wie vor relativ klein und umfasst
ca. 200-300 Leute. Leider vermisst man bei einigen Ravern in letzter Zeit ein
wenig die nötige Feierstimmung, was dazu geführt hat, dass viele nur
noch auf dem Boden oder in irgendeiner Ecke rumhocken und ab und zu mit dem Kopf
wackeln. Auch die Ghetto-Attitüde, die sich mittlerweile eingeschlichen hat,
trägt nicht unbedingt zur Beliebtheit der hiesigen Junglisten bei. Das fängt
bei voll geschmierten Wänden, Türen u. ä. an und hört bei
verwüsteten Toiletten auf, Wen also wundert's, dass viele der hiesigen Clubbetreiber
bei dem Wort "Jungle" kalte Füße kriegen.
Geeignete Locations sind ohnehin schwer genug zu bekommen, nicht zuletzt deshalb, weil House im Saarland die vorherrschende Musikrichtung ist und Jungle immer noch auf eine gehörige Portion Intoleranz und Unverständnis stößt, (O-Ton in einem Saarbrücker Plattenladen auf meine Frage nach neuen Jungle-Platten: "Jungle? Wie? Jungle??? Wir ham kein Jungle!!!").
Allerdings gibt es auch positive Ansätze. Immerhin bietet die Fun Factory
in Saarlouis mittlerweile in unregelmäßigen Abständen Events mit
zumeist englischen DJ's an, und auch die Kufa (Kulturfabrik) ist über
Ihren Schatten gesprungen und präsentierte die "Meditation"
Deutschland-Tour, bei der DJ Rap, Shy FX, DJ SS, Donovan Bad Boy Smith und
DJ E auflegten. Für den Sommer sind einige kleinere Parties in Jugendzentren,
Kellern, usw. geplant; Termine gibt es aber noch keine,
a la prochaine ...
Der Text erschien in "Pressure" im Juni 1996 und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.