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Cityreport - Rhein-Neckar Area, März 1996


Ambient Festivals unter dem Korallenriff von Mururoa: Easy. Goa Parties auf Jupiters Mond Io: Wo liegt da das Problem? Jungle Events im Mekong-Delta? Kann’s nicht abwarten! Aber Detroit Techno im Autonomen Zentrum: Sonst noch was? (For those who know! hi, hi!) Schließlich zieht die führende Partei in diesem Lande das Monopol in Sachen unterschwellige Werbung auf sich. Wo soll das enden, wenn schon mit Acid-House geworben wird? Die Merchandising-Möglichkeiten sind endlos: “Wir versprechen Euch nur das Reinste. Geschisse-dick-CDU!”. Die SPD behauptet auch, in Baden scheine(n) die beste Sonne(n). Nur wo hat das alles angefangen? Jürgen (von Giorgio bekleidet) und Helmut (im begehrten ARTIST Langarm) beim Tequila-Umtrunk in der Jungen Union Lounge bei der Mayday? Laßt nicht den Spoon davon Wind bekommen; Frankfurts neuer Bürgermeister? Nichts da! Zu scheiße ruhig!

Aber solange Trope & Konsorten nicht zu Partei-DJs gewählt werden, ist sowieso alles, wie sagt man?, “esta loca”! Das Normal sei vorgewarnt: das nächste Mal bitte Katastrophenmeldung. Nur gut, daß in Detroit ein unschuldiger Jeff in die nächste Telefonzelle lief und, siehe da, zur Rettung Supermills! Nichts gegen musikalische Geschichtskunde, aber Profis sollten sich auch dementsprechend verhalten! Und seine Gage in voller Sicht des Publikums zählen kann nur als uncool klassifiziert werden. Da sehnt man sich ja regelrecht nach den Spaß liebenden, sich unprofessionell verhaltenden, aber sehr unterhaltsamen Manchester DJs Cruze & Vuish (nach seinem Hund genannt), die gleich zweimal diesen Monat sich im Normal betrinken, ähhm, blicken lassen werden (am 8. und am 22. März). Gleich eine Woche darauf werden DJ CJ – Bolland natürlich &ndash (am Freitag, 29. März) und, weil’s beim ersten Mal so obertschuggi war, Earth Nation live (am Samstag, 30. März) jene Heidelberger Tanzfabrik zum Rocken bringen. Bedenkt man noch, daß am Anfang des Monats zwei weitere Größen, Tanith (1.3.) – in Begleitung von DRB – und Hazel B (9.3.) auch im Normal auftreten werden, so fällt einem doch langsam auf, daß in 20 Jahren jeder DJ der nördlichen Halbkugel behaupten kann, er wäre in Heidelberg im “Nohrmaaal” zu Gast gewesen! Bis auf ein paar Heidelberger Ausnahmen!
Aber die haben ja Abi-Parties, wo sie sich austoben können…

Oder das Little Heaven, das für den Monat März exzeptionelle Überraschungen zu bieten hat. Fangen wir mal mit dem umgestalteten Computergrooves, nein, Klubbrause, nein, “Verbannt in die Zukunft”-Samstag an. Der absolut zeitlose Vogels Christian samt DRB-Unterstützung am 9.März, die Prime Mover Soundball und Dominick Baier am 16.März, Source Records DJs MoveD und Bouillabass am… Was? Nein, keine internationalen Gast Djs mehr (im März zumindest), zurecht darf man noch von Lokalstolz reden! Wo waren wir? Move D und Bouillabass am 23. März und zum Monatsende (30. März) Heidelbergs Antwort auf Mills und Hood: Tobi K. und Aka-J. Auch die Zulu-Soundsystem-Entourage wird sich über Gast- Zustößen erfreuen, wenn Tecroc und DJ Serkan aus München, am 8.März, und DJ Wiz (aus dem Rührpott) am 15.März zu einem Freestyle-Bash Richtung Fahrtgasse aufbrechen werden.

Dann soll es tatsächlich noch vorkommen, daß in manch clubbigen Dingern niemals ein Gast-DJ auftreten wird. So setzt das Contra’N in Mannheim ein Zeichen gegen die Rave-Megalomanie mit einem neuen Projekt, ambivalent genannt, Protest. In einem neuen Schuppen neben dem alten Schuppen wird für Clubstimmung, statt Kneipenstimmung, gesorgt. Dazu gehört auch der Eintrittspreis von miniskülen 2,50 DM, wovon noch miniskülere 50 Pfennig an die Umweltorganisation Sea Shepherd Conservation Society weitergeleitet werden. Die restlichen 2,- DM landen beim DJ in der Tasche. Der Protest widmet sich allen (alternativen) Musikformen: Dark Wave, Crossover, Punk, Indie, Ska, Oi, Souländlicher, daß eben Rob Gordon (quasi-Erfinder des britischen Technos) sich auf ein Jungle-Duell mit Bassface Sascha einläßt und daß die beiden Source DJs Move D und Bouillabass ihre Interpretation des totgetrampelten Tekkno-Begriffes vorführen. Der Heidelberger-Cassette-Sampler-120 ist der Brainchild des Heidelberger Goldfingers D-Man und stellt eine reale Alternative zu überflüssigen Trance Nation 56 Sampler dar. Am 31. März ist es auch endgültig soweit und die Geburt wird auch mit Live-Performances von Elfish Echo, Techno-Abstinenzlern Clavis, Mesud & Mason sowie von den langjährigen DJs G.O.D., See-Base und Move D gewürdigt.

Zum Glück werden die Nächte bald länger!


Text: Oliver Koehler (März 1996)
Der Text erschien in "einstein, Das Stadtmagazin" im März 1996 und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.
22.11.2017, 20:53 h | 10 Junglists online